5.11. DAS THEATER DER
JUDEN
BURGENLÄNDISCHEN
Im Jahre 1388 wurde den Herren von Hornstein mit königlichemPrivileg die Ansiedlung von Juden in Eisenstadt gestattet.Von diesem Zeitpunkt an haben sich in zahlreichen Gemeindendes burgenländischen Raumes Juden niedergelassen. So auch inMattersdorf, das zu den im Norden und in der Mitte des Landesentstehenden" Siebengemeinden" gehörte. Doch erst mit demAufstieg der Familie Esterházy im 17. Jahrhundert kamen dieJuden, die bis dahin Repressalien jeglicher Art zu erduldenhatten, einigermaßen zur Ruhe.
Die Theateraufführungen der burgenländischen Juden sind pri-mär Wohltätigkeitsveranstaltungen und stehen meist im Zusam-menhang mit dem Purim- Fest, dem Höhepunkt des Jahres; dabeiwird dem Ereignis gedacht, daß Esther den Perserkönig zu über-reden vermochte, ihr jüdisches Volk zu schonen und stattdessenden bösen Haman, seinen ehemaligen Vertrauten, exekutieren zulassen. Nach der Angliederung des Burgenlandes an Österreichkann man etwa am 15. März 1925 in der Eisenstädter Zeitungvon der Aufführung des Lustspieles" Präsident Stopper" vonBeer und Friedmann lesen," das in Wien dreihundertmal mitaußerordentlichem Erfolg gebracht" wurde und in Eisenstadtim Haydn- Kino von" Amateur- Schauspielern anläßlich des Purimsanstatt des hergebrachten Balles" gespielt wurde. Fünf Tagespäter berichtete die" Burgenländische Freiheit", daß derisraelitische Wohltätigkeitsverein in Lackenbach" Der Pan-toffelheld" und den Bauernschwank" Der neugierige Schuster-meister" gespielt hatte, wobei sich das Publikum" ohne Unter-schied der Konfession großartig unterhielt".
Durch die Ereignisse in der nationalsozialistischen Ära istdie jüdische Laienaufführungstradition vollständig abgebro-chen.
5.11.1. Mattersburg als Beispiel
Juden haben in Mattersdorf vielleicht schon im Jahre 800, aufjeden Fall aber unter König Andreas II( 1222) existiert. Unterder Herrschaft des alten Lungauer bzw. Oberkärntner Geschlech-tes der Weiẞpriacher in der Mitte des 16. Jahrhunderts wurdeihre Ansiedlung in Mattersdorf gefördert, in erster Liniewohl, um höhere Steuereinnahmen zu erzielen. 1735 gab man dieZahl der Juden in Mattersdorf mit 376 an, fünfzig Jahre späterwar sie bereits auf fast 800 gestiegen, und 1811 dürfte dieHälfte der zweieinhalbtausend Mattersdorfer Einwohner jü-
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