5.10. DAS THEATER DER MAGYAREN I M BURGEN-LAND
Die Ausgangslage der Magyaren war völlig anders als die derKroaten, die ja sowohl unter deutsch/ österreichischer wieunter ungarischer Vorherrschaft immer eine isolierte, vonihrem ethnischen Hintergrund getrennte Existenz zu führengezwungen waren, nachdem sie im Burgenland angesiedelt wurden.Die Magyaren aber waren von ihrem kulturellen Mutterbodennicht ganz getrennt, schon allein durch die geographischeLage, 1867 bis 1921 nicht einmal in politischer Hinsicht. Hierbrachte erst die durch die ursprünglich undurchdringliche,erst in allerletzter Zeit etwas nachlassende Dichte des Eiser-nen Vorhangs bewirkte Trennung nach 1945 eine echte Minder-heitensituation mit sich.
Seit dem 13. Jahrhundert im burgenländischen Raum angesiedelt,entwickelten sie im Grenzland gegen den Westen eine eigeneregionale Kultur, die sich immer gegen die umliegenden deut-schen Siedlungen abzuheben versuchten, wenngleich sie dabeinicht mit besonderer Förderung durch das übrige ungarischeGebiet rechnen konnten, wie man vielleicht vermuten möchte.Verstärkt wurde diese Situation noch dadurch, daß die west-ungarischen( burgenländischen) Magyaren ähnlich wie die Kroa-ten einen eigenen Dialekt entwickelt hatten. Die Problematikdieser Tatsache erwies sich vor allem in den zwanziger unddreißiger Jahren unseres Jahrhunderts, als die rührige Laien-spielergruppe( d.i.Teil des Reformierten Lesevereins) vonOberwart sich um Aufführungen in ungarischer Literatursprachebemühten, was zu einer bleibenden Verunsicherung der Ober-warter beim Gebrauch ihrer oberwarterischen ungarischen Mund-art führte.
Auch Religionsunterschiede spielten eine große Rolle, warendoch die Ungarn teils Calvinisten, teils Lutheraner und teilsKatholiken. Die evangelischen Gemeinden aber wiesen unterein-ander mehr Gemeinsamkeiten auf als jene gleicher Mutterspra-che. Erst in jüngster Zeit kam es zu vereinten Veranstal-tungen aller drei Religionsgruppen.
Die ungarische nationale Bewegung( in der Folge der romanti-schen Besinnung auf die" völkischen" Wurzeln der Literatur)führte in der von Petöfi ausgehenden Schule in Ungarn zueiner reichen Produktion an Laientheaterstücken, um solcherart" Kultur" für das einfache Volk zu schaffen, das sich, wie manannahm, mit der mittlerweile entstandenen" Hochkultur" über-fordert fühlen mußte.
Pfarrer István Kincs(= Stefan Kinze), 1867 in Oberwart ge-
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