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Ausstellung Volksschauspiel im Burgenland : Katalog
Entstehung
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5.9. DASLAND

THEATER DER KROATEN I M BURGEN-

Das Theaterspiel der sprachlichen Minderheiten des burgenlän-dischen Raumes war zwangsläufig Laientheater, fehlte es dochaus Mangel an größeren Ortschaften diesen Gruppen völlig ander Möglichkeit, stehende Berufstheater auch nur ins Auge zufassen, sogar dann, wenn sich vor allem im Zuge des wachsen-den Nationalitätsbewußtseins des 19. Jahrhunderts- ein kul-turelles Bedürfnis in dieser Richtung entwickelt hätte.Aber dazu kam es bei den Kroaten nicht. Mitte des 16. Jahr-hunderts in dem durch die Türkenkriege völlig entvölkertenRaum angesiedelt, bewahrten sie sich zwar( sowohl unter deut-scher wie nach 1867 unter magyarischer Herrschaft) eine durch-aus eigenständige Kultur, die erst den Nivellierungstendenzender Zeit nach 1921 Konzessionen machen mußte. Das Theaterdürfte aber, soweit uns bekannt ist, in dieser hauptsächlichvon Schule und Geistlichkeit bestimmten kulturellen Traditionkaum eine Rolle gespielt haben.

Erst der Pfarrer von Großwarasdorf Martin Mersich d.Ä.schuf die erste kroatische Laientheatergruppe, wohl auf derAnregung der" čitaonica" basierend. Diese war eine" Lese-halle", wie sie sich im Rahmen der bereits angesprochenenNationalisierungswelle- im vorigen Jahrhundert als Volksbil-dungseinrichtung im südosteuropäischen Slawentum entwickelt

hatte.

Pfarrer Mersich sah sich mit der Notwendigkeit konfrontiert,für sein Theater ein Repertoire an Stücken zu schaffen. Erübersetzte daher mit Hilfe kroatischer Lehrer und AmtskollegenVolksstücke aus dem Ungarischen, Russischen, Serbokroatischenund Deutschen, um die Entstehung einer bodenständigen burgen-ländisch- kroatischen Dramatik zu fördern.

Nach oft holprigen und mühseligen, wenn auch gutgemeinten undvon echtem Engagement getragenen Anfangsversuchen unterschied-licher Autoren läßt sich in der Person Ignaz Horvathsein wirkliches schriftstellerisches und vor allem dramatischesTalent feststellen. Schon in den dreißiger Jahren hatte erTheateraufführungen veranstaltet, etwa ein Festspiel im Jahre1934 mit dem Burschenverein Neuberg, 1936( deutsche und) kroa-tische Spiele mit den Neuberger Schulkindern. 1946 trat Pfar-rer Horvath dann mit" Školnik Zvonar" an die Öffentlichkeit.Der Lehrer Konrad Mersich, Leiter des Frankenauer katho-lischen Burschenvereines, studierte 1932" Lumpazivagabundus"ein, von ihm selbst in lokale Verhältnisse übertragen und mitkroatischen Liedern ergänzt. Sein Vorbild war der magyarische

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