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Ausstellung Volksschauspiel im Burgenland : Katalog
Entstehung
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5.8. GROSZSPIEL

Nicht zuletzt der großen Anzahl an Akteuren wegen ist dieForm des Großspieles besonders beeindruckend. Dabei wird inspielmäßiger Einbeziehung einer Orts- oder Berufsgemeinschaftfür anreisende Zuschauer ein Schauspiel- aus den Aufführun-gen an den Kirchweihtagen ergaben sich Legendenspiele, dieterminunabhängig wurden- zumeist im Freien aufgeführt.Bei den Freilichtaufführungen auf Burg Schlaining( 1949-1953)und Burg Güssing( 1950-1956) versuchte man mit Stücken, diefür diese Spielorte verfaßt wurden," das Landesbewußtsein zuwecken und über das Erkennen der Geschichte zum Bekennen zuihr und zum Burgenland zu führen".( Franz Probst, Plädoyer fürdas Amateurtheater. In: Kulturabteilung der Bgld. Landesre-gierung Hg., 21 Autoren nehmen Stellung. Eisenstadt 1979,S. 104). Diese beiden Spielorte standen durchaus in einer län-geren Tradition und ergaben sich als neue Zweckbestimmung fürdie funktionslosen Burganlagen, die ihrerseits einen ein-drucksvollen Rahmen für die Stücke boten. Selbstredend kamenals Spielstoffe nur historische Stücke mit unmittelbaremlokalen Bezug in Betracht.

Begannen die Mitglieder der Ortsgruppe Schlaining des Burgen-ländischen Volksbildungswerkes 1949 und 1950 mit" AndreasPaumkircher oder die Verschwörung der Ritter" vom SteirerKalchberg, so wurde im folgenden Jahr von Erika Spann- Reinschdie Trilogie" Andreas Paumkircher- ein Spiel von derTreue" verfaßt, deren einzelne Teile" Jung- Paumkircher aufSchlaining"," Der Bund der Treue" und" Verrat und Tod" mit" Frau Barbara" als volkstümlichem Spiel ergänzt wurden. Nurnoch unter bescheidener Mitwirkung von Einheimischen wurdehauptsächlich mit Kräften der Burgenländischen Landesbühne1953 das Stück von Franz Probst" Bauern von Schlaining" ins-zeniert. Die Burgspiele auf Schloß Forchtenstein wurden dieFortsetzung der Aufführungen von Schlaining, denn 1954 wech-selte die Landesbühne und der Autor Franz Probst nach Forch-tenstein, und machten es damit zum Festspielort. Erst wiederzum Stadtjubiläum von Schlaining im Jahre 1968 führten 90Laien als Mitwirkende Szenen vom" Andrä Paumkircher" auf demMarktplatz auf.

" Die eigenständige Theatertradition der Burgenländer solltein einem neugeprägten Volksstück Fortsetzung und neuer Anfangsein. Diese Aufgabe haben die Güssinger Laienspiele einmaliggelöst. Sie haben als Laienspieler burgenländische Geschichte,Grenzlandschicksale und burgenländische Eigenart mit sovielGeschick dargestellt..."( Volk und Heimat 1954). Begonnen

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