5.2. SCHUL- UND JUGENDSPIEL HEUTE
Im Anschluß an das konfessionelle Theater, wie es bei Ordenim Zuge der Gegenreformation üblich war und wo fließende Über-gänge zwischen religiöser Zeremonie und theatralischen Dar-stellungsversuchen nicht mehr vorkamen, sind neben Spielver-einen mit Amateuren besonders die Schüler als Träger von Schau-spielaufführungen anzusehen.
" Man wußte", schreibt Harald Kopp( Österreichisches Spielwesenvon 1945 bis 1955. In: Begegnungen und Wirkungen. Festgabe f.Rudolf Mirbt, hg. Hermann Kaiser. Kassel und Basel 1956, S.140)," um die Gefahren des Schultheaters, das sich überall imLande breitmachte, jene Dressurleistungen für die Elternver-anstaltungen, die neben der Eitelkeitsförderung bei dem je-weiligen Lehrer nur der Kassenauffüllung dienten. Aber auchall die Werte des modernen Schulspiels wurden klar herausge-arbeitet... Vor allem wollte man auf weite Sicht planen, umdie Schulentlassenen später in die Richtung des Laienspielsweiterführen zu können, nicht in die der Liebhaberbühne( Vereinstheater), die ja die gerade Fortsetzung des Schulthea-ters darstellte". Harald Kopp unterscheidet hier bereits" zwi-schen Schulspiel als Möglichkeit, außerhalb des Rahmensvon Beurteilung und Benotung kreative Ideen zu fassen, sich imverbalen und nonverbalen Bereich auszudrücken... und Schul-theater, das in literarischem Auftrag handelt, unbedingt eineAufführung anstrebt, quasi' eine Visitenkarte der Schule vorder Öffentlichkeit' darstellt."( Sabine Schmall, Theater imBurgenland. Entwicklung und Spielformen seit 1921. Phil. Diss.,Wien 1980, S. 228).
5.2.1. Schulspiel
Mit Schulspiel wird offiziell im Lehrplan Theaterspiel inden Pflichtschulklassen bis 15 Jahren bezeichnet, wobei keinRollen-, sondern Stegreifspiel als didaktische Unterrichts-methode zur spielerischen Erarbeitung des Lernstoffes durch-geführt wird; besonders der Deutsch- und Fremdsprachenunter-richt eignet sich für derartige Aufführungen. Dabei spieltkreatives Mitarbeiten eine wichtige Rolle und wird vielfacheingesetzt, um die Schüler in einer Art Gruppentherapievon sprachlichen Hemmungen" freizuspielen"; Theater ist somitfür die Sprach- und Persönlichkeitsformung der Jugend vongroßer Bedeutung. Dazu kommt noch der Bildungswert: Ein Textwird langsam und genau erarbeitet, wodurch Schüler gezwungenwerden, das gesprochene Wort zu gestalten und sich mit den
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