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Ausstellung Volksschauspiel im Burgenland : Katalog
Entstehung
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5. BÜHNEN- UND

GROSZSPIEL

AMATEUR THEATER

BEI VEREINEN UND IN-

FORMELLEN GRUPPEN

Beim Schulspiel vollzog sich erstmals eine vollständigeTrennung zwischen Ausführenden undPublikum die Akteure, deren Anzahl bei Großspielen andie hundert betragen kann, agieren auf einer erhöhten Bühne,die im Freien oder in einem größeren Raum errichtet ist. DieSpielträger sind neben informellen Gruppen nun besonders Ver-eine, die ihre Vorformen etwa in den religiös- sittlich ausge-richteten Bruderschaften, den ab dem 18. Jahrhundert langsaman Bedeutung verlierenden Zünften und den einst für militäri-sche Zwecke gegründeten, dann mehr die Geselligkeit pflegendenGesellschaften, haben. Vor allem in den Märkten und Klein-städten formten sich Lesezirkel, Bildungs- und schöngeistigeKlubs, zuerst im biedermeierlichen Privathaus, ab der Mittedes 19. Jahrhunderts in Gasthäusern anzutreffen. Naturgemäßkam es bald zur Entwicklung von Liebhaberaufführun-gen, leicht erklärbar als Ausweitung von Gesellschafts-spielen wie etwa dem so beliebten" Stellen" von Charaden, dasbeispielsweise aus dem Schubert- Kreis überliefert ist.Der ursprünglich gemeinbürgerliche Anspruch der Assoziationenmit demokratischen Tendenzen kam nach den verschiedenen Sta-dien der österreichischen Verfassungsgeschichte im Jahre1867 mit der Erhebung des Vereins- und Versammlungs-rechts zum Staatsgrundgesetz vollends zurGeltung. Die eher städtisch orientierten Vereine griffen inder Stückwahl nicht auf die bäuerlich- handwerkliche Traditiondes örtlichen Volksschauspiels zurück, sondern machten sichmutig an die Aufführung regulärer Theaterstücke, wobei dasAngebot an Bühnenwerken, die extra für Laientheater gedachtwaren, zuerst völlig fehlte. Erst die Blüte des Vereinsthea-ters im ausgehenden 19. Jahrhundert ließ eine unglaublicheFülle an speziell auf die Bedürfnisse kleiner Spielgruppen mitaufwandsarmer Szenengestaltung bedachtnehmende Bühnenwerkeoft auch inhaltlich anspruchsloser und formal recht simplerNatur entstehen.

Durch den Ausgleich von 1867 und die folgende Magyarisierungs-welle kam es zu einem Wettstreit zwischen unga-rischem und dem völlig in die Defensive gedrängtendeutschsprachigem Vereinstheater, was biszur Angliederung des Burgenlandes an Österreich anhielt. Dafürläßt sich im 20. Jahrhundert eine Trennung bzw. Po-

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