Die
APETLON, 1975
( Aus: Helga Thiel und Dietrich Schüller," Die Komediavom letzten Gericht aus Apetlon/ Burgenland. In: Jahrbuchdes Österreichischen Volksbildwerkes, Bd. 27, 1978).
Spielträger: Am Anfang, bei der Einbürgerungder Volksschauspiele mögen Pastoren, Predikanten oder auchLehrer mitbeteiligt gewesen sein. Sobald die burgenländischenStubenspiele ins Blickfeld der volkskundlichen Forschung tre-ten, sind sie allein Eigentum der Bauern der Heidebodendörfer.Sie werden von den Burschen der Gemeinden gespielt, heute auchvon vereinsmäßigen Gruppierungen. Die Spielanleitung, dieEinweisung in Text und Darstellung, erhalten die Spielervon ihren Lehrmeistern, die sich für verschiedeneSpielorte auf Grund datierter Handschriften seit dem späten18. Jahrhundert namentlich feststellen lassen.
( 91) Johann Munzenrieder, Spielführer aus APETLON
( 92) Andreas Schneider, aus WALLERN( 1895)
( Beide aus: Karl Horak, Burgenländische Volksschau-spiele. Wien und Leipzig 1940).
4.2.1. Paradeisspiele des Heidebodens
Das Spiel: Die biblische Geschichte von der Schöpfung,dem Fall und der Austreibung des ersten Menschenpaares aus demParadies war und blieb für den christlichen Menschen des Mit-telalters und der frühen Neuzeit die Grundlage," Präfigura-tion", für die Geschichte von der Geburt Christi. In vielenVolksschauspiellandschaften wurden deshalb in der Weihnachts-zeit vor oder nach den Weihnachtsspielen auch Paradeisspieleaufgeführt.
Die Paradeisspiele des HEIDEBODENS weisen besonders schlichteund einfache Aufführungsformen auf, die am besten in der vonKarl Julius Schröer 1854 bei den Bauern von OBERUFER gehörtenund aufgeschriebenen Text zu erkennen ist.
Die kleine Gruppe der Darsteller, die" Kompanie"," singt ein",d.h. sie zieht auf, ein Spieler nach dem anderen, und allezusammen singen einen Chor:" Singen will ich aus Herzen Grund/ Weils gibt das Gemüte mein", worin in vier ungleich langenStrophen die ganze Paradiesgeschichte erzählt wird. Derabziehenden Kompanie folgt das Spiel:
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