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Ausstellung Volksschauspiel im Burgenland : Katalog
Entstehung
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4.2. DIE STUBENSPIELE DES NORDBURGENLAN-DES

Der Oberuferer Spielkreis. Im Gegensatz zu denPassionsspielen der Bürger in den mittelalterlichen Städtenhat sich in der nordburgenländischen Volksschauspielland-schaft, ganz besonders auf dem HEIDEBODEN und im SEEWINKEL, inder frühen Neuzeit das Aufführungswesen der Bauern und Berg-leute entwickelt, welches die Stubenspiele derWeihnachtszeit zu seinen wichtigsten Darstellungenzählt. Aus dem Bereich der deutschen Dörfer der ehemaligenwestungarischen Komitate Preßburg und Wieselburg liegen ausnicht weniger als 23 Orten ältere und jüngere Nachrichten,Aufzeichnungen und vielfach auch Handschriften vor, welcheletztlich einem einzigen Schauspiel in seinen verschiedenenFormen gelten. Fast durchwegs handelt es sich um eine Schau-spiel dreiheit( Paradeisspiel, Christi- Geburt- Spiel und Nach-spiel), die zur Weihnachtszeit, vom 1. Adventsonntag bis zumDreikönigstag, von der Burschengemeinde unter Leitung einesdörflichen Lehrmeisters aufgeführt wurde. Die früheste und dielängste Zeit einzige zusammenhängende Veröffentlichung vonKarl Julius Schröer( 1858) galt dem Volksschauspiel vonOBERUFER bei Preßburg, das- wenngleich außerhalb des Heide-bodens gelegen- dem nordburgenländischen Weihnachtsspielenden Namen Oberuferer Spielkreis gegeben hat.

( 83)" Weihnachts- Spiele in Oberufer inUngarn. Lithographie von H. Krabbes, Lithogra-phische Anstalt A. Werl( Aus:" Faust". Polygraphischillustrierte Zeitschrift für Kunst, Wissenschaft,Industrie und geselliges Leben, Jg. 7, Leipzig 1860,Nr. 9)

Herkunft und Altersfrage. Schröer und seineNachfolger in der Volksschauspielforschung haben den Ursprungder nordburgenländischen Überlieferung der Stubenspiele mitder Einwanderung der Heidebauern als den eigentlichen Spiel-trägern in Verbindung gebracht. Die Einwanderung der aus denAlpenländern vertriebenen Protestanten um 1620 kann mit denwenigen frühen Jahresangaben in den Spielhandschriften inBeziehung gesetzt werden. Zeitlich am nächsten ist die Angabezu einem Spiel in der Handschrift aus RAGENDORF( Rajka)," wel-ches in 1652 jahr erstlich gehalten und agirt wart allhier zuRäggendorff". Hundert Jahre später folgen die ersten datiertenHandschriften: 1768 APETLON, 1773 RAGENDORF, 1778 PODERSDORF,

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