2.3.2. Blochziehen
Wenn es passiert, daß seit dem letzten Fasching keine Hochzeitstattfand, dann rüsten die Burschen zum" Blochziehen". DieserBrauch, der sich bereits seit dem Mittelalter nachweisen läßt,gilt als der bekannteste Faschingsbrauch des Burgenlandes. Wiedie Karte des Österreichischen Volkskundeatlas zeigt, kann mansogar von einem typisch burgenländischen Brauch sprechen, dasein Schwerpunkt im Südosten Österreichs liegt. Er hat durchKarl M. Klier( Das Blochziehen. Burgenländische Forschungen,H. 22/1953) eine umfassende Darstellung gefunden.
Gab es also ein ganzes Jahr keine Hochzeit, holen die Burscheneinen Bloch aus dem Wald und schmücken die" hölzerne Braut"mit Girlanden und Bäumchen, um sie in einem feierlichen Zug,begleitet von zahlreichen Faschingsnarren, ins Dorf zu führen.Aus der Schar der Burschen wird ein" Bräutigam" ausgewählt.Auch alle übrigen Zeremonienträger einer Hochzeit werden der" Waldbraut" beigestellt. Im Zentrum der Handlung steht dieVermählung mit der Brautlehre, wobei Burschen und Mädcheneinander in launiger Wechselrede die Schuld zuweisen, daß eszu keiner Hochzeit kam. Am Ende wird der" Bloch" versteigert,und der Erlös bei der Tanzveranstaltung gemeinsam durchge-bracht.
( 31) Blochziehen in Mühlgraben, Bez. Jennersdorf. Bekränzterund mit Bäumchen geschmückter" Bloch", auf dem der Bräu-tigam reitet.
Aufn. E. Hanak. 1974
( 32) Burschen und Mädchen umtanzen das geschmückte Faschings-bäumchen. Mühlgraben.
Aufn. E. Hanak, 1974
( 33) Der Zug formiert sich. Mühlgraben.
( 34) Bloch- und Pflugziehen.
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Aufn. E. Hanak, 1974
Österr. Volkskundeatlas,4. Lfg.( 1971), Bl. 71Karte von S. Walter