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Ausstellung Volksschauspiel im Burgenland : Katalog
Entstehung
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1.8. GRUPPEN BZW. HAUPTGATTUNGEN

1.8.1. Spielhafter Brauch ortsfester ArtDazu gehören die Brauchspiele im engsten Sinn. Sie kommenvielfach noch ohne festgelegten Text aus. Dazuzuzählen sindauch die Vorformen des Schauspiels, Umzüge, Masken- undHeischebräuche. Die Verkleidung und Maskierung sagt über In-halt und Funktion alles Entscheidende aus. Das Wort, oft alsbloße Folge von Textformeln, kommt in vielen Fällen erstsekundär dazu.

1.8.2. Umzugsspiel

Auch das Umzugsspiel ist im Wesentlichen brauchmäßig gebunden.Das hauptsächliche Merkmal ist der Zug der Spieler von Haus zuHaus, von Spielort zu Spielort, wobei die brauchmäßige Grund-lage das Heischen ist. Mit dem Aufsuchen aller Angehörigeneiner Gemeinschaft entsteht eine allgemeine Teilnahme andiesem Spiel.

Viele dieser Spiele tragen Revue- Charakter, d.h. die einzelnenSpieler treten nacheinander auf, zeigen sich in ihrer Maskeund sprechen einen kurzen Text, der erklärt, wer und was sie' sind.

Ein Vorläufer sind die Streitgespräche zwischen Fastnacht undFaste oder Sommer und Winter.

Oft wird als Abschluß ein traditioneller Tanz geboten.

1.8.3. Prozessionsspiel

Im Gegensatz zum kleineren Umzugsspiel, das häufig von Kindernund Jugendlichen getragen wird, sind die Prozessionsspieleeine Domäne der Erwachsenen, vor allem von Bruderschaften undZünften.

Ihren Höhepunkt erreichten sie im Barock mit Reliquienpro-zessionen, Translationsfeiern und szenisch reich ausgestal-teten Fronleichnamsprozessionen. Von der Aufklärung zurück-gedrängt, sind sie heute fast ganz verschwunden.

1.8.4. Stubenspiel

Wenn der ortsfeste Spielbrauch zu seinen Handlungsandeutungenfeste Texte gewinnt, wurde in vielen Fällen daraus ein Stuben-spiel. Auch hier wanderten die Spieler von Haus zu Haus, warendie Träger Burschen aus dem Ort.

Spielort war meist die Stube, manchmal auch der Flur.

Bei stärker organisierten Formen wird auch im Gasthaus oder in

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