1.6. STOFFE UND MOTIVE
Eine bloße Unterscheidung nach weltlichen und geistlichenSchauspielen allein scheint angesichts der Themenvielfaltnicht zu genügen, daher der Versuch einer den Stoffen undInhalten angepaßten Gliederung:
1.6.1. Biblische Themen
A.T.
Paradeisspiel
Reicher Prasser und armer LazarusGeduldiger Job
N.T.: Christi Geburt Spiel
Christi Leiden Spiel
Spiel vom Jüngsten Gericht
Die dem Alten Testament entnommenen Szenen gehören zum Spiel-bestand des Spätmittelalters und der Renaissance. Dieser Mo-tivkomplex wurde von den protestantischen Bevölkerungsgruppenübernommen und weitergeführt. Die im Alten Testament beschrie-benen Einzelschicksale wurden als textliche Grundlage genommenund ins allgemein Menschliche gehoben.
Die Spiele des Weihnachtsfestkreises halten sich meist eng andie Evangelien, allerdings unter Einbeziehung apokrypher( d.h.von der Kirche nicht anerkannter) Textstellen.
Hauptmotive sind die Verkündigung, die Herbergsuche, die Anbe-tung durch die Könige und die Szenen um Herodes. Die Verkün-digung an die Hirten, ihr Zug zur Krippe und ihre Anbetung,konnten sich bis zu eigenständigen kleinen Hirtenspielen ver-selbständigen.
Der Osterfestkreis ist geprägt durch die Spiele der Passion,des Leidens und Sterbens Christi. Auch hier wurden wiedererweiternde Szenen eingefügt, wie z.B. der Abschied Jesu vonseiner Mutter Maria, verschiedene apokryphe Überlieferungen,Vor- und Zwischenspiele, sowie Parallelszenen aus dem AltenTestament und der Auftritt allegorischer Figuren.
In der Gegenwart ist die Verlegung der Passionsspiele in denSommer besucherbedingt und die großen Freilichtspiele stellennur mehr ein Randgebiet des Volksschauspiels dar.
15