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Ausstellung Volksschauspiel im Burgenland : Katalog
Entstehung
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1.2. TRÄGER

UND

PUBLIKUM

Als Träger des Volksschauspieles wird man die" Träger derüberlieferten Ordnungen", also die Ortsgemeinschaft in ihrerGesamtheit und in ihrem inneren Traditionszusammenhang be-zeichnen.

Einzelne aus dieser Gemeinschaft sind die Ausführenden, dieTräger im engeren Sinn, die anderen bilden das Publikum.Das Verhältnis zwischen diesen beiden Gruppen ist ein wech-selseitiges, das heißt, beide Teile sind sowohl Gebende alsauch Empfangende. Vor allem bei den traditionellen brauchtüm-lichen Formen werden Spiel und Geld bzw. Naturalien undSegenswünsche gegeneinander ausgetauscht.

sonen

Die Ausführenden waren entweder besonders begabte Einzelper-oder aber traditionelle Gruppierungen wie Burschen-schaften, Mädchenschaften, Kameradschaften, Altersgruppen,Ledige. Heute sind es hauptsächlich Vereine wie katholischeund politische Jugendorganisationen.

Die Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen war meist unabhängigvom sozialen Status.

Während der Probenzeit unterlagen diese" Kumpaneien"," Singer"oder wie immer sie genannt wurden, einer relativ strengenReglementierung und mußten einen untadeligen Lebenswandel

führen.

Diese Gruppen erfuhren eine natürliche Erneuerung durch dasNachrücken der Jüngeren und das Ausscheiden ab einem gewissenAlter oder der Veränderung des Standes( Heirat, Militärdienst,Berufseintritt).

Besonders gepflegt wurde die Spieltradition durch Schule undKlerus( Geistliche Spiele!). Wichtig für das Fortleben waraber auch immer die Leistung von Einzelpersönlichkeiten, dieals Spielführer und-leiter das Einlernen der Spiele zuübernehmen hatten und meist auch im sonstigen Gemeinde- undKirchenleben stark engagiert waren.

Erst bei den Aufführungen der Theatervereine oder großerSpielgemeinschaften( z.B. in St. Margarethen) kommt es zueiner Trennung zwischen Ausführenden und Publikum, da sich derEinzugsbereich über einen größeren geographischen Raum er-streckt und daher zwischen Zuschauern und Spielern kein un-mittelbarer Traditionszusammenhang mehr besteht.

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