VORWORT
Das Institut für Gegenwartsvolkskunde der ÖsterreichischenAkademie der Wissenschaften veranstaltet gemeinsam mit demÖsterreichischen Museum für Volkskunde in den neuadaptiertenRäumen seiner Arbeits- und Präsentationsstelle Mattersburg imBurgenland nunmehr zum vierten Mal eine Ausstellung, die ausder wissenschaftlichen Arbeit dieser beiden Institute hervor-geht und über die sachliche Darlegung bestimmter gegenwartsbe-zogener Themen der Volkskunde hinaus interessierten Kreisenfallweise auch einen Einblick in die Tätigkeit dieser Dokumen-tations- und Forschungsstelle gewähren möchte. Diese Art derin unserer Zeit und in unserer Gesellschaft unerläßlichenÖffentlichkeitsarbeit auch eines kleinen und noch im Aufbaustehenden Wissenschaftsinstitutes hat in den vorangegangenenJahren schon eine recht erfreuliche Wirkung erzielt. DieserErfolg war dafür ausschlaggebend, daß das Thema des Burgen-ländischen Landeskulturtages 1982" Theater" mit Schwerpunktin der Bezirksstadt Mattersburg von uns aufgegriffen wurde.Das Institut für Gegenwartsvolkskunde zusammen mit dem Öster-reichischen Museum für Volkskunde und der Kommission für Thea-tergeschichte Österreichs der ÖAW haben zu diesem Zweck dieAusstellung" Volksschauspiel im Burgenland" erarbeitet. DieAufgabe dieser Ausstellung sollte es sein, jenen Aspekt über-lieferter und gegenwärtiger Spiel- und Schauspielpraxis zuergründen und darzustellen, der im heutigen Bundesland Burgen-land unter Einschluß der deutschsprachigen Gegenden des altenWestungarns neben dem Sprech- und Musiktheater an den Fürsten-höfen und beim Stadtbürgertum die im Lande herrschende Dorf-kultur mitgeprägt hat im Rahmen der brauchtümlichen Begehungendes Jahres- und Lebenslaufes und des gleichfalls gruppenmäßiggetragenen und gegliederten Vereinstheaters der Laien.
Dieses Laientheater ist es gewesen, das nach dem großen hi-storischen Einschnitt des Ersten Weltkrieges und unter denveränderten wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kultu-rellen Bedingungen der Ersten Republik und noch einmal nach1945 in der Zweiten Republik im Burgenland angesichts deseinstweiligen Zurücktretens des klassischen Theaterwesens derStädte in den Märkten und Dörfern das aktive Theaterlebenbestimmt hat. Träger waren die Kirchen, die staatlichen Volks-bildungseinrichtungen und die Bildungs- und Kulturvereinechristlicher und sozialdemokratischer Prägung.
Das Burgenland ist in der glücklichen Lage sagen zu können,
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