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Ausstellung Barocke Volksfrömmigkeit : Andachtsgraphik, Votivbilder, Zeugnisse der Volksverehrung des hl. Johann von Nepomuk ; Katalog
Entstehung
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Vorwort

Volksfrömmigkeit bedeutet eine der innersten Kammern jeglicherVolkskultur. Was daran historisch geworden ist, wie sich die Frömmigkeitin ihren bildhaften Zeugnissen ausgeformt hat, das ist daher auch einHauptanliegen jeder volkskundlichen Sammlung und Forschung.

Dieser Einsicht entsprechend hat auch das Österreichische Museum fürVolkskunde von Anbeginn derartige Bildzeugnisse zur Volksfrömmigkeitgesammelt. Im Lauf von mehr als 75 Jahren haben sich sehr stattliche Be-stände ergeben, die sich im letzten Vierteljahrhundert durch die Er-werbung der Sammlung kleiner Andachtsbilder aus dem Besitz des großenWiener Forschers auf diesem Gebiet, Gustav Gugitz, noch ganz entschei-dend haben vermehren lassen. Ein gewisser, thematisch bedingter Teil die-ser Bestände konnte 1966 in der Sammlung religiöse Volkskunst der Öffent-lichkeit dargeboten werden, als ein kleiner Teil des ehemaligen Ursulinen-klosters in Wien dem Museum zur Verfügung gestellt wurde. Dennoch be-sitzt das Museum noch immer genug an deponierten Beständen, um aucheine weitere Ausstellung damit zu beschicken. Die neuen Räume im Schloß-museum Gobelsburg, nunmehr schon ein halbes Jahrzehnt Außenstelle desMuseums, luden förmlich dazu ein, hier einmal auch eine derartige Aus-stellung durchzuführen. Die vom Museum bevorzugt gesammelten Beständeauf den Gebieten des Votivbildes und der Andachtsgraphik boten sich vorallem dafür an. Dazu kam aber noch, daß in diesem Jahr 1971 der Ver-ehrung des hl. Johann von Nepomuk besonders zu gedenken war. Auchdafür birgt das Museum in der Laudongasse noch einiges an sonst nicht zurSchau gestellten Beständen, die hier einmal geschlossen gezeigt werdenkonnten. Die Bedeutung der Verehrung des Prager Heiligen in etwa250 Jahren läßt sich ohne eine derartige Übersicht wohl gar nicht abschät-zen. Gewiß bestimmt der barocke Brückenheilige auch heute noch vielfachdas Ortsbild und läßt in Form von Kapellen und Bildstöcken erkennen, wiesehr man sich dieser Fürsorge durch den Wasserpatron vergewisserte. Aberdas Eindringen der Nepomukbilder über die öffentlichen Andachten hin-aus in den Hausschmuck, in das Gebetbuch, in das Liedgut, das zeigt ebendoch nur eine derartige Zusammenstellung, die nicht etwa auf Vollständig-keit, sondern nur auf den blickbestimmenden Hinweis eingestellt sein kann.

Die Durchführung dieser der barocken Volksfrömmigkeit gewidmetenAusstellung ist zur Gänze vom Museum selbst geplant und bewerkstelligtworden. Dementsprechend gilt der Dank allen beteiligten Beamten und

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