EINFÜHRUNG
Das Österreichische Museum für Volkskunde veranstaltet anläßlichdes Marianischen Jahres eine kleine Sonderausstellung in fünf Räumen,die Zeugnisse zum marianischen Wallfahrtswesen in Österreich umfaßt.Das Thema mußte nicht erst zu dem besonderen Anlaß neu bearbeitetwerden, es lag vielmehr durchaus auf dem Weg der österreichischenVolkskunde der Gegenwart. Seit einigen Jahrzehnten befindet sich dieWallfahrtsvolkskunde in Österreich ebenso wie in Bayern und in derSchweiz in gutem Fortschreiten. Die älteren Museumssammlungen aufdem Gebiet der volkstümlichen Devotionalkopien der Gnadenbilder,der Votivbilder, der Wallfahrtsandenken der verschiedensten Art sinddauernd ergänzt worden. Insbesondere wurde dem wichtigen Gebietder Wallfahrtsbildchen, also der kleinen graphischen Andachtsbildererhöhte Aufmerksamkeit zugewendet. Die Erwerbung der SammlungGustav Gugitz hat diesen Bestand besonders vergrößert, sodaß dieAnlegung einer eigenen Katalogabteilung des Museums, nämlich einerWallfahrts- Kartothek in Angriff genommen werden mußte. Aus allendiesen Materialien, die zudem noch eine wechselseitige bessere Be-stimmung der einzelnen Objekte ermöglichten, wie sie in früherenJahren nicht durchgeführt worden war, aus diesen zunächst nochunverbundenen kleinen Einzelstücken aus allen Gebieten der religiösenVolkskunst ergab sich also ein Bestand, der sich ohne weiteres zu einerAusstellung zusammenfügen ließ.
Diese Ausstellung zeigt nun im wesentlichen einen Überblick überdas Werden und die Geltung der marianischen Wallfahrten in Öster-reich vom Hochmittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Ein erster Raum( A)gibt über die volkstümlichen Motive der Wallfahrtsgründungen Auf-schluß. Die heiligen Steine, Bäume und Quellen werden in Bilderngezeigt, die Legenden von den weisenden Tieren und andere Gründungs-motive, die im alten Gemeinschaftsglauben wurzeln und jeweils lokalwieder Geltung gewannen. Anderseits sind in dem Raum Votivbilderausgestellt, die den namenlosen Wallfahrer vor den immer gleichenGnadenbildern zeigen. Die fast zum unpersönlichen Symbol gewordenenbekleideten Gnadenbilder der Barockzeit erscheinen auf diesen Bildernden Verunglückten wie den Kinderlosen. Die Zeitlosigkeit des darinzum Ausdruck gebrachten Leides entspricht der Zeitlosigkeit der altenNatursymbole auf der anderen Seite. Dennoch sind geschichtlicheSchichtungen des Marienkultes feststellbar, die in den nächsten Räumenzur Darstellung gelangen. Im Raum B sind zunächst Druckzeugnisseder Marienwallfahrten, also vor allem Mirakelbücher, dann Wallfahrts-lieder und Gebete usw. gezeigt. Anderseits zeigen einige Devotional-kopien hier Typen mittelalterlicher Gnadenbilder mit starker Betonungder Mütterlichkeit Marias. Im Raum C sind diese Motive genauer auf-gegliedert. Aus der Gruppe der Darstellungen von sinnbildhaftemCharakter ist die Madonna auf der Mondsichel herausgegriffen. Ihrist die Schutzmantelmadonna ebenso gegenübergestellt, wie die Madonnaim Ahrenkleid. Die zeitliche Bindung der Gnadenbilder kommt beson-ders in den Reihungen der Bilder von ostkirchlicher wie von italienischerHerkunft zur Geltung. Es sind also einerseits die Ikone, die im Spät-
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