D. Lichtquellen der modernen Zeit
1. Gas als Lichtquelle
Schon seit dem 17. Jahrhundert ist die Tatsache bekannt, daß bei derDestillation von Kohle und Holz brennbares Gas entsteht; das Herstel-lungsverfahren und die Eigenschaften des Leuchtgases sind 1739 inden ,, Philosophical Transactions of the Royal Society" publiziert wor-den. Das zunächst wenigstens im englischen Sprachraum-„ spi-rit" oder„, inflammable air" genannte Gas wurde aber erst um 1800 zuBeleuchtungszwecken verwendet, und zwar als Industriebeleuchtung.Der wesentliche Impuls kam von der englischen Kohleindustrie: DasEindringen der Kohle und der darauf basierenden Technologien inProduktionsbereiche, die bisher Holz als Brennstoff verwendet haben,bedeutete einen großen Schritt nach vorn. Jede Industrie, die ihreProduktion auf Kohle umstellte, mußte ihre ganze Ausrüstung undVerarbeitungstechnik vollkommen umstellen und somit modernisie-ren. Da die Gasherstellung weitgehend ident war mit dem Verfahrender Verkokung der Steinkohle bzw. das Gas eigentlich ein bislang nichtgenutztes Nebenprodukt war, war es nur zweckmäßig und ökono-misch, die Leuchtkraft des Gases zu nützen, sobald man diese Zu-sammenhänge erkannt hatte.
Die ersten Gasbeleuchtungsanlagen wurden in Soho bei Birminghambei der Firma Watt& Boulton eingerichtet. Dabei war noch ein wesent-licher gedanklicher Entwicklungsgang notwendig. Die bisher bekann-ten Beleuchtungskörper hatten das brennbare Material( Öl, Petro-leum) unmittelbar in Flammennähe. Anders war hingegen die Situationbei Gas: erst allmählich setzte sich der Gedanke mit allen notwendigenKonsequenzen durch, daß Gasproduktion, Gasspeicherung und Gas-konsumation räumlich voneinander getrennt sein mußten. Das ganzemußte außerdem noch durch ein entsprechendes Leitungssystemverbunden sein. Tatsächlich verwendet man anfänglich Säcke ausLeder, Tierblasen oder Behälter aus Blech, um in diese Gas zu füllen,es zu entzünden und dann von Zimmer zu Zimmer zu tragen, wo dasLicht eben gerade gebraucht wurde. William Murdoch publizierte 1808die Darstellung, wie man Gas zu Beleuchtungszwecken verwendenkann: Das aus der Retorte kommende Gas wird durch eiserne Röhrenin große Behälter oder Gasometer geleitet, in denen es gereinigt wird;danach gelangt es wiederum durch Röhren in die Fabrik zum eigent-lichen Verwendungszweck, Licht zu spenden. An eine Verwendungaußerhalb der Fabrik war aber noch nicht gedacht. Der in Paris
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