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2 (1991) Lampen, Leuchter, Licht : Katalog. 2 / Aus der Metallsammlung des Österreichischen Museums für Volkskunde : Österreichisches Museum für Volkskunde, Hauptgebäude Wien, Gartenpalais Schönborn
Entstehung
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4. Petroleumlampen

Ehe noch die Petroleumlampe in Gebrauch kam, mußten einigewesentliche Verbesserungen am Prinzip der Öllampen vorgenommenwerden. Zunächst war die sogenannte Argand- Lampe vom Konstruk-tionsprinzip her ein Schritt hin zu größerem Komfort. Das vom Projek-temacher und Chemiker François Ami Argand 1783 in Paris vorgestell-te Lampenmodell zeichnete sich durch drei Besonderheiten aus: Derverwendete Docht war nicht mehr massiv, sondern hohl, d.h. er wurdeals Band- oder Flachdocht zu einer kleinen Röhre geformt. Dadurcherhielt die Flamme, die naturgemäß ebenfalls röhrenförmig brannte,erhöhte Luftzufuhr, nämlich von außen und von innen. Dies hatte zurFolge, daß durch die dadurch ebenfalls erhöhte Verbrennungstempe-ratur die Kohlenstoffpartikel restlos verbrennen konnten. Die nächsteNeuerung war der Glaszylinder, der die Flamme nunmehr umschloß.Auch das steigerte die Luftzufuhr- Kamineffekt!- erheblich und botüberdies Schutz vor Zugluft von außen. Die dritte Neuerung war einMechanismus eine Drehvorrichtung der es ermöglichte, denDocht zu heben oder zu senken. Auf diese Weise konnte die Ölzufuhr,und damit die Lichtstärke, geregelt werden.

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1836 konstruierte der Franzose Franchot die Feder- oder Moderateur-lampe, bei der mit Hilfe einer Feder ein Druck auf einen Kolbenausgeübt wurde, der das Öl durch ein enges Rohr zum Brenner preẞte.Da die Feder bei stärkerer Zusammenpressung mehr Öl als notwendigwar zum Brenner drückte, sorgte ein kleines Ventil, der Moderateur,dafür, daß bei hochstehendem Kolben der Öldruck im Steigrohr etwasgedrosselt wurde. Rudolf Ditmar in Wien erkannte die Vorzüge dieserLampe und begann eine Fabrikation in einer kleinen Fabrik in Wien-Erdberg. Es war die erste Fabrik dieser Art in Österreich und seineFirma galt als Pionier in Österreich auf diesem Sektor.

Wenn wir die weitere Entwicklung betrachten, so kann man für denösterreichischen Raum die Geschichte der Firma Ditmar nicht überse-

hen.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts intensivierte man die Suchenach besseren Brennstoffen, denn trotz aller Verbesserungen ließ sichmit den bisher verwendeten Ölen keine wirklich allen Ansprüchengenügende Lichtquelle erzeugen. Schließlich erkannte Professor B.Sillimann von der Yale Universität 1855 den Wert des aus Erdöldestillierten Petroleums. Damit begann für die Lampenindustrie eineneue Epoche. Wieder war es die Wiener Firma Ditmar, die durch dieEntwicklung des Wiener Flachbrenners" für größte Verkaufserfolge

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