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2 (1991) Lampen, Leuchter, Licht : Katalog. 2 / Aus der Metallsammlung des Österreichischen Museums für Volkskunde : Österreichisches Museum für Volkskunde, Hauptgebäude Wien, Gartenpalais Schönborn
Entstehung
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C. Vom Kienspan zur Petroleumlampe

1. Lichtspäne und Fackeln

Brennende Holzstücke und-späne waren schon in ältesten Zeiten undüber die Jahrhunderte hinweg als besonders in den Waldgegendenleicht zu beschaffendes, natürliches Material die einzigen Lichtspen-der. Sowohl beim Kupferbergbau am Mitterberg bei Bischofshofen inurgeschichtlicher Zeit, in den Bergwerken Hallstatts wie in Burgen undSchlössern des Mittelalters wurden Kienspäne zu Beleuchtungszwek-ken benötigt. So manches Wohnhaus in den ländlichen Gebietenkannte bis in die Mitte des 20.(!) Jahrhunderts diese Art der Beleuch-tung, wiewohl im allgemeinen die Umstellung auf bessere" Beleuch-tungsarten im Laufe des späten 19. Jahrhunderts erfolgte, spätestensaber mit Einführung des elektrischen Stromes. Die an die 60 bis 70 cmlangen und 3 bis 8 cm breiten Späne, die 15 bis 20 Minuten brannten,wurden je nach Holzart mit dem Messer, dem Spanfeitel, geschnittenoder mit besonderen Hobeln, den Spanhobeln, gehobelt. Die Spänewurden zum Gebrauch in Fugen und Mauerritzen gesteckt, man trugsie in der Hand und hielt sie, wenn die Hände nicht frei waren,vorübergehend mit dem Mund fest. Die Spanhalter in Form vonMenschenköpfen( Geanmaul) dürften darauf zurückzuführen sein. DieLichtspäne wurden auf Roste gelegt, die an Ketten von der Deckegleich Waagschalen hingen, oder an den vielfältigen Spanhalternbefestigt und an Holzständern und Dreifuẞgestellen auf den Bodenoder Tisch gestellt. Vielfach wurden die Späne in Nischen in der Wandoder im Kachelofen auf Eisenroste gelegt und abgebrannt, wobei sieein sehr spärliches Licht erzeugten. Ein besonderes Problem war dieRauchentwicklung. Erst in späterer Zeit gab es Vorrichtungen, dieeinen eigenen Rauchabzug für Spanleuchten erlaubten. Trotz dauern-der Wartung gaben sie nur ein flackerndes, wenig ergiebiges Licht; dieRauch- und Qualmbelästigung war erheblich und die Gefahr einesBrandes drohte immer. Mit Rauchabzügen und Aufstellen von Holz-mulden, die man mit Wasser füllte und von Zeit zu Zeit mit Wasserbespritzte, wurde Vorkehrung gegen Brand und Qualm getroffen. Mitder beginnenden Aufklärung in Österreich ging die Obrigkeit auchimmer wieder in Verordnungen gegen die Kienspanleuchten vor undempfahl die in den Niederlanden und in Frankreich bereits eingeführ-ten Fettlampen( Unschlitt) zu verwenden, da durch diese und dieebenfalls verordnete Errichtung von Kachelöfen mit ,, Thürl" die Brand-gefahr wesentlich verringert werden würde. Mit diesen Verordnungen

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