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Die gelehrten Sklavinnen des Islams und ihre byzantinischen Vorbilder
Entstehung
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ALBERT WESSELSKI

mit Ausnahme seiner gelehrten Freunde, die zu weinen beginnen; ihmrötet sich die Wange, brennt die Haut, zittern die Augen und pocht dasHerz vor Scham über seine Niederlage. So, wie die Genossen des Besiegten,empfindet auch Klaret Schmerz über diese Schmach, und dieser Schmerzist es, der ihn bewogen hat, die Geschichte niederzuschreiben, auf daß

accidat ulterius confusio nulla magistris,

auf daß keinem Gelehrten mehr eine solche Beschämung zustoße. Bevorer dann mit seinen eigenen Rätseln beginnt, setzt er noch die mahnendenVerse hin:Hinc cape que pono, discens ea pectore prono;

ne faciant risum de te, librum cape visum.

Bei Klaret wird denn der Mann der Wissenschaft von einer Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrauvor dem Könige Farus ebenso abgeführt, wie der Nazzām von Hasaniya,Tudur, Tawaddud und Teodor vor dem Chalifen Hārūn ar- Rašid, aberauch wie der Rhetor vor dem Kaiser Maxentius oder Maximinus vonKaterina; er erleidet seine Niederlage auch ebenso, wie der Philosoph,der von Qitar geprüft wird, und wohl auch wie sein griechischer Vor-gänger, der mit Qitārs Vorbild zu tun hat. Allerdings wissen wir nicht,ob dem Streitgespräch zwischen diesen zwei Sklavinnen und ihren Welt-weisen auch die betreffenden Herrscher beigewohnt haben, aber die Haupt-sache, das Motiv von der durch ein Mädchen überwundenen Leuchte derGelehrsamkeit, ist in allen Texten identisch. Immerhin besteht zwischendem Enigmaticus einerseits, den Geschichten der Hasaniya- Gruppe undder Katerinen- Legende andererseits ein nicht unwichtiger Unterschied: indiesen nimmt der Erzähler durchaus Partei für das siegreiche Mädchen;Klarets Sympathien aber gehören dem Besiegten. Das ist aber leichtbegreiflich wie Katerina war auch Hasaniya oder ihre Ahnin für den,der über ihre Gesten berichtete, eine unerschrockene Vertreterin einesGlaubens, zu dem er sich selber leidenschaftlich bekannte, und dieseBegeisterung für die Heldin durfte selbstverständlich späterhin nicht insGegenteil umschlagen, sondern mußte sich zumindest noch als Wohlwollenfür die jüngern Sklavinnen auswirken, die in den zur Abwehr umgearbei-teten Geschichten die Handlung zu tragen und den Streit erfolgreich zuhat( A. Riese, Anthologia latina, I, 12, 361 f., 34, v. 2); denn er schreibt zwischendie zwei Verse der Virgo: Et hoc est flos rose qui habet quinque folia. Er hat aberauch erkannt, daß diese Lösung ebensowenig eine Lösung ist, wie die ebenfalls ausseiner Feder geflossenen Worte: tam spiritualis, quam corporalis, die sich nur aufbarba beziehen können; denn schon läßt er den Hexameter folgen: Gustus, odoratus,auditus, visio, tactus, und dieser ist augenscheinlich als richtige Lösung gedacht: imNotfall lassen sich ja Augen und Ohren, wenn nicht bebartet, so doch behaart odervon Haaren eingefaßt nennen, Zunge und Finger entbehren der Haare, und die Nasemag, da sie bei einem bärtigen Manne anders abschließt als bei einer glatten Frau,als generis neutri oder als habens barbam dimidiatam bezeichnet werden.