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Die gelehrten Sklavinnen des Islams und ihre byzantinischen Vorbilder
Entstehung
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ALBERT WESSELSKI

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Ansonsten ist die im allgemeinen junge Frau oder Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau, dieWissens- oder auch Rätselfragen zu beantworten versteht diese zweiWörter nehmen wir hier in ihrem weitesten Sinne, der auch katechetischeFragen einschließt¹), in der Literatur von beträchtlichem Alter. In derGegenwartserzählung des 301. Jātaka verheiraten die Könige von Vesālieinen Mönch, der auf fünfhundert Fragen Bescheid weiß, mit einer Nonnevon ebenso großen Kenntnissen, weil sie glauben, ein Sohn dieser zweiwerde besonders klug sein müssen; dem Paare aber werden neben einemSohne vier Töchter geboren, und die erlernen die fünfhundert Fragen derMutter und die fünfhundert des Vaters. Dann entlassen die Eltern dieTöchter in die Welt mit dem Auftrage: ,, Beantwortet ein Laie eine voneuern Fragen, so werdet seine Gattinnen; beantwortet sie aber ein Mönch,so tretet in seinen Orden." Schließlich beantwortet der Thera Sāriputtaalle tausend, sie hingegen sind nicht imstande, die einzige von ihm ge-stellte Frage zu beantworten.2) In einem Dhammapada- Kommentar wiederist es eine Nonne, die, nachdem sie die tausend Glaubensartikel bemeisterthat, von ihrer Oberin denselben Auftrag erhält wie die Mädchen von Ve-sāli, und wieder ist es Säriputta, der sie überwindet.³) Eine Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau, die,umgekehrt, wirklich jedem Weisen obsiegt, begegnet uns im Mahāvastu,aber sie läßt sich von einem Brahmanen, der ihr ebenfalls unterliegenwürde, verabredungsgemäß überwinden, um seine Gattin zu werden.4)

Aber auch in der christlichen Legendenliteratur gibt es ein solchesweibliches Wunder an Gelehrsamkeit, und das ist, worauf schon Chauvinhingewiesen hat, die hl. Katerina oder, eigentlich, Aikaterina von Alexan-drien. Als der Kaiser dort ein großes Opfer veranstaltet, begibt sie sich,um ihn vom Götzendienste abzubringen, zu ihm, und nach einer langenRede sagt sie, nach Symeon dem Metaphrasten, sie beherrsche лãσαν лα-δείαν, ῥητορικῆς καὶ φιλοσοφίας, γεωμετρίας τε καὶ τῶν ἄλλων ἐπιστημῶν. Da erin der vorangegangenen Auseinandersetzung gegen ihre Argumente nichtseinzuwenden vermocht hat, beruft er alle Gelehrten seines Reiches zu sich,um sie dieses σоqάτατоν уúvαιov widerlegen zu lassen. Es erscheinen fünfzigRhetoren, ὀξεις τε νοῆσαι καὶ εἰπεῖν ἱκανώτατοι, und der beste unter ihnenbeginnt das Streitgespräch, wobei er Homer und Orpheus zitiert; die spä-

( s. z. B. die Ausgabe Wölfflin- Trolls in den Sitz.- Ber. d. Berliner Ak. d. Wiss., 1872,106 f.) und daß übrigens diese ganze Literaturgattung auf die drei Fragen zurück-zugehen scheint, die in einer um 530 in griechischer Sprache verfaßten Biographie deshl. Pachomios von einem Philosophen, Theodoros mit Namen, gestellt und von einemMönche beantwortet werden( Patrol. lat., LXXIII, 259 f.).

1) Abseits lassen wir in diesem Zusammenhange selbstverständlich die ihrenFreiern Rätsel aufgebenden oder solche von ihnen fordernden Mädchen, über die Bolteund Polívka zu dem 22. der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen gehandelt haben.2) S. auch R. Spence Hardy, A Manual of Budhism, 1853, 255 f.3) Eug. Watson Burlingame, Buddhist Legends, 1921, II, 230 f.4) Bimala Churn Law, A Study of the Mahāvastu, 1930, 161.