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Karl R. Wernhart
weiterleben. Neben dem aktiv praktizierten Katholizismus verehren Teileder afrokaribischen Bevölkerung dieser westindischen Insel den SchutzgottShango, den ehemaligen Donnergott der Yoruba Westafrikas, und erbittenvon ihm Schutz und Segen für die Landwirtschaft und die Menschen, wiees ihre Vorfahren in Schwarzafrika taten, bevor sie als Sklaven und späterals Lohnarbeiter auf die Zuckerrohrplantagen in die Neue Welt kamen.Bei dieser Kultfeierlichkeit am„ Weißen Sonntag"( erster Sonntag nachOstern) wird ein Blutopfer( rituelle Schlachtung eines Schafbockes) dar-gebracht, Gebete in afrikanischer Sprache( Ekiti) gehalten, weißer Rumals Libation an die Gottheit versprüht, um Shango herzurufen und dieanwesenden Menschen und die am Kultplatz gelagerten landwirtschaftli-chen Geräte, Gegenstände und auch persönlichen Schmuck zu segnen. Mitder Verehrung dieser Gottheit sind u.a. Speisevorschriften verbunden: beider dem Opfer folgenden Kommunio, bei der das gekochte Schafsfleischmit Hirse gemeinsam verzehrt wird, darf nicht die auf den westindischenInseln heimische und von den Indianern Glossar ::: zum Glossareintrag Indianern übernommene Manjokknolle ver-zehrt werden, sondern es muß die bei den Savannenbauern Afrikas heimi-sche traditionelle Hirse als Kultspeise Verwendung finden( Anthony 1986:103–120; Kremser 1986: 77-102 und 1987: 125-140; Wernhart 1983).
Durch das rasante Ausbreiten westlicher Zivilisation und christlicherGlaubensvorstellungen werden weitere neue Bekenntnisse entstehen, unddie Diskussion über„ Volksfrömmigkeit“ und ähnliche Erscheinungsfor-men wird und muß weitergehen. In letzter Zeit wurde der Dialog überHinduismus, Buddhismus, asiatische Hochreligionen, Stammeskulte undChristentum intensiviert, wie z.B. in Pater Lourdusamy SwaminathansDissertation„ Glaubensvorstellungen der Chamars des Ballia- Distriktes( 1879-1987), Uttar Pradesh, Nordindien“( 1988) zum Ausdruck kommt.Abschließend kann festgehalten werden:
Für uns Ethnologen ist von Wichtigkeit, daß das Konzept der„ Volks-frömmigkeit" bzw.„-religiosität“ in seinen verschiedenen Ausformungenmit dem Begriffsinhalt des Synkretismus verbunden bleibt.
Die Glaubensmanifestationen von Ethnien und Gruppen dürfen nichtallein aus der Sicht der Hochreligionen und ihrem Verhältnis zur Volks-frömmigkeit gesehen werden, sondern für den Ethnologen, ob Volks- oderVölkerkundler, muß Volksfrömmigkeit, oft auch in Verbindung mit ma-gischen Praktiken, aus der Sicht der Betroffenen, d.h. der Gruppen undEthnien selbst, verstanden und aufgefaßt werden. Die Religionsethnolo-gie würde zu einer Religionswissenschaft, die die Glaubensphänomene unddie Theoriegeschichte analysiert, reduziert werden, würde sie nicht das mit