GERDA GROBER- GLÜCK, BONN
Zur Heiligkeit des täglichen Brotes
in den bäuerlichen Familien Österreichs um 1930.Nach Materialien des Atlas der deutschen Volkskunde
Bevor wir uns mit dem Brot verbundenen frommen Anschauungen undHandlungen zuwenden, erscheint es richtig, sich ihre realen Voraussetzun-gen¹ kurz zu vergegenwärtigen. Die Herstellung von Hausbrot ist sehr alt.Von den Ägyptern übernahmen es die Israeliten; in Europa fand es nach800 v.Chr. allgemeine Verbreitung. Im ganzen Abendland Glossar ::: zum Glossareintrag Abendland zwar bekannt,blieb es jedoch als täglich genossene Speise zunächst oberen Schichten vor-behalten. Ich zitiere aus dem Kommentar von Anni Gamerith² zu Blatt25 des ÖVA über Herkunft und Herstellung des bäuerlichen Hausbrotes:Das durch Sauerteig gelockerte Hochbrot blieb lange Zeit Speise der Her-ren, der Klöster, Ritter, Bürger, zeitweise dem einfachen Volk zugeteilt alsEntgelt für Dienstleistungen, als Spende für die Armen. Erst im spätenMittelalter setzte sich das Backen von Hochbrot in bäuerlichen Schichtendurch, lange Zeit in Konkurrenz mit dem älteren Fladenbrot, das, ausungesäuertem Brei aus grobem, z.T. mit Kleie versetztem Mehl in großenMengen ein- bis zweimal im Jahr gebacken, als dunkles„ Hartbrot" eineVorratswirtschaft erforderte, bei der es durch Schimmelbildung nicht sel-ten zu Pannen kam. Verglichen mit Nord- und Mitteldeutschland fand dasHochbrot in den unteren Schichten Süddeutschlands und Österreichs mitbeträchtlicher Verzögerung Eingang, wie G. Wiegelmann³ aus Quellen zurDienstbotenkost eruieren konnte. Während in Nord- und Mitteldeutsch-land Brot allein oder als Zugabe zu Breien im 16. Jahrhundert üblich
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1 Nach: Währen, M.: Unser täglich Brot in der Geschichte und im Volksbrauch. Bern1951.- Jacob, H. E.: 6000 Jahre Brot. Hamburg 1954.- Meise, H.: So bäckt derBauer sein Brot. Bielefeld 1959.- Adrian, W.: So wurde Brot aus Halm und Glut.Bielefeld 1951. Wopfner, H.: Bergbauernbuch, I. Band, 3. Lieferung. Innsbruck1960. ― Maurizio, A.: Die Getreidenahrung im Wandel der Zeiten. Zürich 1916.2 Gamerith, A.: Herkunft und Herstellung des bäuerlichen Hausbrotes. ÖVA, 2. Lie-ferung( 1965), Blatt 25 und Kommentar, S. 1.
3 Wiegelmann, G.: Alltags- und Festspeisen. Wandel und gegenwärtige Stellung( Atlasder deutschen Volkskunde, Beiheft 1). Marburg 1966,§§ 29, 30, 32-34, 36, 37, 50.