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Helga Maria Wolf
Die Kirchenleitung, missionarisch eifrig um die„ Neuevangelisierung Eu-ropas" bemüht, läßt es nicht an gutgemeinten Anleitungen zum Festefeiernfehlen. Sie geht dabei meist wenig zielgruppenorientiert vom Konstruktder( Pfarr-) Familie aus. Scheitert schon die Vision von Hauskirche häufigan der realen Familiensituation( in Wien wird jede dritte Ehe geschieden),so wird in einer segmentierten und säkularisierten Gesellschaft anders
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als im Mittelalter ein weltweites Marianisches Jahr kein Allheilmittelgegen den Glaubensschwund sein können.¹
,, Volksfrömmigkeit" hat viele Gesichter. Man kann sie durch Statistikentlarven, mit Aussagen über die Kirchlichkeit der Österreicher/ innen undFragen zum Religiösen im Alltagsleben demaskieren, um zu lernen, mitdem Wort„ Volk" vorsichtiger umzugehen.( Das biblisch- nachkonziliareKirchenbild meint das gemeinsam pilgernde, wandernde Gottesvolk.) BertBrecht sagte bereits 1935 in„ Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben derWahrheit":„ Wer in unserer Zeit statt, Volk', Bevölkerung'(...) sagt,unterstützt schon viele Lügen nicht." Von dieser Bevölkerung' nimmtin Österreich die überwiegende Mehrheit( an die 80 Prozent) nicht ein-mal das Minimum des katholischen Angebotes, die Sonntagsmesse, wahr.Das einigermaßen mit seiner Kirche verbundene Fünftel zeigt eine breiteStreuung weltanschaulich- religiösen Bewußtseins, Glaubenseinstellungenund Praktiken. Man kann die Annäherung an die Subjektivationen der,, Volksfrömmigkeit" in Gesprächen versuchen: Was glauben die Leute undwarum? Wie wirkt sich ihr Glaube auf ihr Leben aus? Ist er Lebenshilfein krisenhaften Zeiten? Man kann schließlich die populare Religiosität imSpiegel ihrer Objektivationen(„ Bräuche“) betrachten.
„ VOLK“ UND„ FRÖMMIGKEIT“ IN EINER SÄKULARISIERTENUND SEGMENTIERTEN GESELLSCHAFT
In einer Repräsentativerhebung des Fessel+ GFK- Instituts bekannte sichim Frühjahr 1989 nur ein Viertel der 400 Befragten über 16 Jahren„ völlig"
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⟫Die entscheidende Entwicklung des Rosenkranzgebetes erfolgte um 1400. Es wardie Zeit der großen Kirchenkrise, der Beginn auch der Auflösung der mittelalterli-chen Ordnungen in allen Bereichen von Staat, Kirche und Gesellschaft.(...) DerMißbrauch der kirchlichen Ämter in der Politik führte schließlich zum abendländi-schen Glossar ::: zum Glossareintrag schen Schisma.(...) Das Rosenkranzgebet ermöglichte in dieser Zeit des Ver-falls der kirchlichen Institutionen dem einzelnen Gläubigen einen Weg der sehrpersönlichen Frömmigkeitsübung, zugleich bedeutete es ein neues, gemeinschaftsstif-tendes Moment jenseits aller Parteibildungen innerhalb der institutionellen Kirche."Manfred Brauneck: Religiöse Volkskunst. Köln 1979, S. 240.