HERLINDE MENARDI, INNSBRUCK
Die Heiligen Gräber in Tirol
und ihr Wiedererstehen in den achtziger Jahren
1962 bemerkt Marie Grass- Cornet in ihrem Beitrag„ Bildhafte Feiern imOsterfestkreis“:„ Die Aufrichtung der Heiligen Gräber ist gegenwärtig ineiner Durchgangsphase und teils nur in kleinem Rahmen gebräuchlich,scheint sich aber, Dank dem Verlangen des Volkes nach bildlichen Dar-stellungen erneut zu beleben." 1
Daß dies zunächst nicht der Fall war, zeigt die 1977 von Michael Forcherin der Tirol- Chronik der österreichischen Tageszeitung Kurier aufgewor-fene Frage ,, Sind die Heiligen Gräber tot?". Er beginnt seinen Artikel:
,, Früher wäre ein Karsamstag ohne den Besuch bei den HeiligenGräbern verschiedener Kirchen kein Karsamstag gewesen: Un-auslöschbare Kindheitserinnerungen sind mit diesem Brauch ver-bunden. Die nächste Generation wird darauf verzichten müssen,denn die Heiligen Gräber sind aus den meisten Kirchen ver-schwunden, vor allem jene großen, bühnenartigen Aufbauten,die oft ein halbes Kirchenschiff ausfüllten und zwischen Kulis-sen in wechselnden Figurengruppen das biblische Geschehen vomKarfreitag bis Ostermontag zeigten."
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1988/89 sind im ganzen Land etwa 80 Heilige Gräber mit Kulissenteilenwieder aufgestellt und erfreuen die zahlreichen Besucher, die aus allenKreisen der Bevölkerung kommen.
Im Vorwort zu dem 1987 im Haymon Verlag erschienenen Buch„ Hei-lige Gräber in Tirol", das dem neuerwachten Interesse an dieser Formreligiösen Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums Rechnung trug und mit einer vorausgehenden Fra-gebogenaktion an alle Pfarreien im Land auch Anstoß war ,,, im Gedächtniszu kramen", stellt der Innsbrucker Diözesanbischof Reinhold Stecher dieFrage nach dem Warum dieser Wiederentdeckung.
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Marie Grass- Cornet: Bildhafte Feiern im Osterfestkreis, in: Beiträge zur Kultur- undKunstgeschichte Tirols, Schlernschriften 167, Innsbruck 1962, S. 112.
Michael Forcher: Sind die ,, Heiligen Gräber" tot?, in: Kurier, Chronik Tirol, 9.4.1977.