Sibylle Künzler, Von der Erdoberfläche zur Useroberfläche
Die>> Materie der Empfindungen« 18 wird dabei nicht als prä- existentgedacht, sondern ist ein flüchtiges Produkt» symbolischer Formen<< 19.Es findet in der Erkenntnispraxis ein Ineinandergreifen von sinnlicherErfahrung, Sprache und Vorstellung statt:» Es sind auch hier die> For-men der Anschauung<, in deren Aufbau sich die Art und Richtung derin der Sprache waltenden geistigen Synthesis zunächst bekundet, undnur durch das Medium dieser Formen hindurch, nur durch die Ver-mittlung der Anschauung von Raum, Zeit und Zahl vermag die Spra-che ihre wesentlich logische Leistung: die Gestaltung der Eindrücke zuVorstellungen,[ sic!] zu vollziehen.<< 20 Derart werden Bezüge zwischenganz unterschiedlichen Elementen möglich und es ergeben sich ab-strakte Topologien, welche Räumlichkeit schaffen und zugleich Wahr-nehmungs- und Wissensfelder darstellen.
Cassirer wendet sich zudem explizit von einem Seinsbegriff desRaumes als Ausdehnungsraum ab und stellt diesem ein Verständnisvon Raum als Ordnungsbegriff, als relationalem Verhältnis entgegen.21Raum kann als relationale Ordnung mittels unterschiedlicher symboli-scher Formen je anders hergestellt werden: Cassirer unterscheidet hieretwa den mythischen, ästhetischen oder theoretischen Raum, wobei ergerade den mythischen Zugriff als einen gängigen, alltäglichen verste-hen will. So würde etwa über die Erkenntnis im Modus des Mythosein Oben und Unten, Ost und West, Hinter oder Davor²² geschaffenund diese topologischen Figuren mit je spezifischen Qualitäten aus-gezeichnet:>> Es scheidet sich das Dies und Jenes, das Hier und Dort,das Nähere und Entferntere. Damit ist durch die denkbar einfachsten
( 1923). In: Susanne Hauser, Christa Kamleithner, Roland Meyer( Hg.): Architek-turwissen. Grundlagentexte aus den Kulturwissenschaften. Bd. 1: Zur Ästhetikdes sozialen Raumes. Bielefeld 2011, S. 202-209, hier S. 203.
18 Ebd., S. 202.
19 Vgl. Ernst Cassirer: Einleitung und Problemstellung. In: Ders.: Philosophie dersymbolischen Formen. Teil 1. Die Sprache. Gesammelte Werke Band 11. Hg. v. BirgitRecki, Text und Anmerkungen bearbeitet von Claus Rosenkranz, Hamburg 2001,S. 1-49.
20 Cassirer( wie Anm. 17), S. 202. Hervorhebungen im Original, Anm. d. Verf.21 Vgl. Ernst Cassirer: Mythischer, ästhetischer und theoretischer Raum. In: Ders.:Aufsätze und Kleine Schriften( 1927-1931). Gesammelte Werke Band 17. Hg. v.Birgit Recki, Text und Anmerkungen bearbeitet von Tobias Berben. Hamburg2004( 1931), S. 411-432, hier S. 413.
22 Vgl. ebd., hier S. 420.
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