Elke Gaugele, Vom Stil der Oberfläche
del bis zur Hauseinrichtung,» im Sinne einer Schönheit, die aus derFunktion heraus entwickelt ist und durch ihre Schönheit eine eigeneFunktion erfüllt«< 42 zu gestalten.43 In einem historischen Moment, indem die industrielle Massenproduktion der Nachkriegszeit das Designendgültig als seriell Reproduziertes etabliert, rekurriert die Gute Formauf die Tradition des ästhetischen Idealismus. Ästhetische, funktionaleund moralisch- pädagogische Vorstellungen werden unter der Prämissevereinigt, eine vollkommene Zweckerfüllung führe zur vollkomme-nen Schönheit und sei › gut<. Aktiviert werden dabei Kategorien, dieJohann Wolfgang von Goethe bereits 1789 in seinem Aufsatz EinfacheNachahmung der Natur, Manier, Stil zusammengeführt hat." 4 Stil warbereits hier zum Synonym für eine künstlerisch- gestalterische Objek-tivität geworden, bei der es als essentialistische Position- darumging, das>> Wesen der Dinge« zu erkennen.45 Als dialektische Antithesezur Oberflächlichkeit des Stylings rekurriert Bill auf den ästhetischenIdealismus des Naturschönen, der in den industriellen Massen- undDesignprodukten in ihrer» eigenen natürlichen und schönen Gestalt<<zum Ausdruck kommen sollte.46 Damit greifen die Begründungen fürdie Gute Form auf die Hegelsche Dialektik von Inhalt und Form zu-rück, die dieser zufolge ihre Synthese nur in der vollständigen Vermitt-lung zwischen einer inneren Bedeutung und ihrer äußeren Gestaltungfinden kann.47 Unterzieht man jedoch Bills Sechs Richtlinien für die GuteForm 48 einer genaueren Analyse, stößt man dabei erneut auf einen
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42 Bill( wie Anm. 39), zit. in Erni( wie Anm. 38), S.139.
43 Vgl. Stanislaus von Moos: Schönheit als Funktion. Anmerkungen zu Max Bill.In: Arthur Rüegg, Ruggero Tropean: Wege zur» Guten Form«. Neun Beiträgezur Geschichte der Schweizer Produktgestaltung. Reprint der Zeitschrift Rasseg-na XV, 62- 1965/ II. Basel 1995, S. 70-71.
44 Vgl. Johann Wolfgang von Goethe: Einfache Nachahmung der Natur, Manier,Stil. In: Teutscher Merkur, Februar 1789. Online: http://www.textlog.de/41480.html( Zugriff: 30.1.2013). Goethe zufolge» ruht der Stil auf den tiefsten Grund-festen der Erkenntnis, auf dem Wesen der Dinge, insofern uns erlaubt ist, es insichtbaren und greiflichen Gestalten zu erkennen«<( ebd.).
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Ebd.
46 Bill( wie Anm. 40), S.16.
47 Vgl. Rosenberg u.a.( wie Anm. 6), S. 654.
48 Bill( wie Anm. 40), S. 37 f. Hier werden die sechs Richtlinien wie folgt definiert:1. Der Gegenstand als Produkt, das vom Menschen von Hand oder mit techni-schen Hilfsmitteln oder als Massenprodukt hergestellt wird. 2. Zweckmäßigkeit:Der Gegenstand soll auf bestmöglichste Weise alle Zwecke erfüllen, für die er ge-
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