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Äußerungen : die Oberfläche als Gegenstand und Perspektive der europäischen Ethnologie ; Beiträge der Dgv-Hochschultagung "Äußerungen. Die Oberfläche als Gegenstand und Perspektive der Europäischen Ethnologie" vom 28. bis 30. September 2012 am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck
Entstehung
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Elisabeth Timm, Bodenloses Spurenlesen

>> neue( s) Verständnis ethnographischen Arbeitens«<, das seine Daten als>> Begegnungswissen« produziert. Entscheidend ist dabei>> die ambiva-lente Produktivität, die in diesen Begegnungen durch Reibung[...] er-zeugt wird<< 58.> Praxeografie< wird in der Diskussion um> HistorischeEthnografie< mittlerweile auch für historische Forschung reklamiert.59

Die Forschungsergebnisse, denen die praxeografische Programma-tik zugeschrieben wird, sind in der Tat neu. Die Kultur- und Sozi-alanthropologie ist international und die Europäische Ethnologie imdeutschsprachigen Raum führend in der empirischen Wissenschafts-forschung im Allgemeinen und in der Erforschung der Nutzung vonReproduktionsmedizin im Besonderen. Das ist wirklich verdienstvollund notwendig, wenn man sich etwa anschaut, wie die mit wesent-lich mehr Ressourcen ausgestattete Familiensoziologie das Themaverschlafen hat und mit was für einer hilflosen und normativen Termi-nologie sie es manchmal benennt.60

Nicht neu aus der Perspektive der Europäischen Ethnologie sindjedoch die methodischen Orientierungen und Hinweise für die Daten-erhebung- vieles, was unter dem Titel> Praxeografie< als neu bezeich-net wird, ist aus der langen Geschichte der Ethnografie schon bekannt.Dazu zunächst ein kurzer Verweis auf einen( allerdings auch zu kri-tisierenden) Vordenker des> Begegnungswissens<, Georges Devereux:Noch radikaler als Sigmund Freud( für den das empirische Datumschlechthin die Übertragung war), so Devereux, haben Einstein undHeisenberg klar gemacht,» daß wir Ereignisse nur> am< Beobachter be-obachten können«- in der psychoanalytischen Terminologie wäre dasdie Gegenübertragung.61

58 Ebd., S. 254. An anderer Stelle wird deutlich, dass dieses Potenzial aber kaum ge-nutzt wird:>> Im Vergleich zur Ethnografie allgemein spielt die soziale Dimensionder Teilnahme der Forschenden am Geschehen und die Reflexion dieser Partizi-pation in der Praxeografie eine sehr untergeordnete Rolle.«<( Knecht[ wie Anm.46], S. 99).

59 Jens Wietschorke: Historische Ethnographie. Möglichkeiten und Grenzen einesKonzepts. In: Zeitschrift für Volkskunde 106, 2010, S. 197-224.

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Nur ein Beispiel:» Kinder, die auf technische Weise zur Welt kommen, sindnatürlich kein technisches, sondern u.U. ein praktisches, soziales und soziokul-turelles Problem.<< Herbert Schweizer: Soziologie der Kindheit. VerletzlicherEigen- Sinn. Opladen 2007, S. 113-116.

Georges Devereux: Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften. Mün-chen, Wien 1973, S. 17.

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