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Äußerungen : die Oberfläche als Gegenstand und Perspektive der europäischen Ethnologie ; Beiträge der Dgv-Hochschultagung "Äußerungen. Die Oberfläche als Gegenstand und Perspektive der Europäischen Ethnologie" vom 28. bis 30. September 2012 am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck
Entstehung
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Gudrun M. König, Die Oberfläche der Kultur?

derts für diese Aufmerksamkeiten verantwortlich.29 Mit der Faszina-tion für die Oberfläche korrespondiert die Steigerung der Sichtbarkeit.In meiner Habilitationsschrift habe ich diese Oberflächenorientierungals>> Sichtbarkeitsstrategien«< 30 bezeichnet, die zu einem bestimmendenMerkmal der Warenästhetik wurden. Der Glanz der Waren, das Spie-geln der Schaufenster, das Zeigen auf Ausstellungen sowie die Plaka-tierung der Stadt sind Epiphänomene einer etablierten Warenkultur,die mit neuen Materialien, chemischen Farben und automatisiertenProduktionsverfahren die Menge, Vielfalt und Gestalt der Waren undFassaden grundlegend beeinflussten.

Es sind aber nicht nur die Wissenschaften wie Architektur, Kunst-geschichte und Medienwissenschaft, die sich mit den neuen und altenOberflächen beschäftigen, sondern insbesondere hat sich die textori-entierte Literaturwissenschaft mit der Poetik und Ästhetik der Ober-fläche auseinandergesetzt. Der Literaturwissenschaftler Björn Weyandkonnte zeigen, dass das egalitäre Aufzählen von Waren, Schriftstellernund Literaturen die bürgerliche Höhen- und Tiefenmetaphorik des19. Jahrhunderts,» die eine klare und rigide Trennlinie zwischen demkulturell Wertvollen und dem Profanen sieht« ³1, außer Kraft setzte.Weyands Analysematerial ist ein Berliner Roman von 1906 mit demUntertitel Ein paar Kapitel von der Oberfläche von Edmund Edel. Ichwähle diesen Roman aus zwei Gründen aus- einmal als Beleg für dieSelbstbezeichnung einer Epoche, zum anderen weil der SchriftstellerEdel auch als Plakatkünstler, Karikaturist und Filmregisseur mit denneuen Medien seiner Zeit vertraut war. Er gestaltete die Sichtbarkeitmit und war zugleich ihr scharfzüngiger Kritiker. Edel karikiert inneun Kapiteln die Bewohner des Berliner Westens, der nach 1900 zurResidenz der neuen Reichen wurde:» Vor fünfundzwanzig Jahren gabes noch kein Berlin W.[...] Papa hatte damals vielleicht noch einen La-den<, und Mama's Hüte wurden in der Annenstraße bei einer kleinen

29

Anne Fleig: Oberflächen durchdenken. Eine Skizze. In: Michael Barchet, DonataKoch- Haag, Karl Sierek( Hg.): Ausstellen. Der Raum als Oberfläche. Weimar2003, S. 21-30, hier S. 26.

30 Gudrun M. König: Konsumkultur. Inszenierte Warenwelt um 1900. Wien u.a.2009, S. 47.

31 Vgl. Weyand( wie Anm. 28), S. 252-254.

32

Edmund Edel: Berlin W. Ein paar Kapitel von der Oberfläche. Hg. von JohannesAlthoff. Berlin 2001[ 1906].

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