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Äußerungen : die Oberfläche als Gegenstand und Perspektive der europäischen Ethnologie ; Beiträge der Dgv-Hochschultagung "Äußerungen. Die Oberfläche als Gegenstand und Perspektive der Europäischen Ethnologie" vom 28. bis 30. September 2012 am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck
Entstehung
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVII/ 116, 2013, Heft 1+ 2

flächenstruktur nicht zentral sind, so sind die Gebrauchskontexte, dieEingriffe in Oberflächen sowie die Deutung von Abnutzungen derAlltagsdinge ein disziplinäres Spezifikum. Ausstellungen wie»> Flick-Werk«< 16 und»> Volkskunst heute«< 17 zeugen nicht nur von der Kreati-vität des Alltags, sondern eben auch von Oberflächengestaltungen. InFel/ Hofers Ethnografie der Arbeitsgeräte im ungarischen Dorf Atányschmiegen sich die Arbeitsgeräte an ihre Benutzer und Benutzerinnen,weil die Holzgriffe der Arbeitsgeräte im Gebrauch sich verändern. 18Das Material der Oberfläche reagiert auf die Verwendungsweisen. DasLeder wird an strapazierten Stellen speckig, das Spätzlesbrett mittigabgeschabt und der Anzugsstoff an beanspruchten Stellen glänzend.Diese unmittelbaren Beobachtungen an den Dingen als Effekte lang-jähriger Nutzung zeigen, wie Herstellung und Gebrauch Oberflächenformen und deformieren. Fachspezifisch und gänzlich different zu reinästhetischen Fragen der Oberfläche ist der Blick auf Ab- und Umnut-zungen. Es ist ein Blick, der die Oberfläche an das Material und an dieDinge bindet. Die Oberfläche der Dinge ist von Gestalt, Funktion undStoff als klassischer Aufmerksamkeitstrias der Dingbedeutung nichtzu trennen. Die Mehrdeutigkeit der Dinge zum einen, Material, Formund Funktion zum anderen verweisen jedoch auf multiple Optionender Kontextualisierung.

Ob Fichte wie Fichte oder wie Mahagoni aussehen darf, ob Betonwie Beton oder wie Klinker aufbereitet wird, derartige Oberflächen-gestaltungen sind in der Architekturgeschichte der Moderne intensivtraktiert worden19 und haben sich etwa in Bezug auf bemalte Möbelauch im Fach niedergeschlagen. Dass sich dann quasi das Innere nachaußen kehrt- wie beim Stahlskelettbau- gilt als Inbegriff der Mo-derne seit der Londoner Weltausstellung 1851. So changiert der Begriffzwischen Metapher und Topografie, zwischen Moral und Materialäs-thetik.

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Gottfried Korff, Hans- Ulrich Roller( Hg.): Flick- Werk. Begleitheft zur Ausstel-lung im Württembergischen Landesmuseum. Stuttgart 1983.

Gottfried Korff( Hg.): Volkskunst heute? Begleitband zur Ausstellung. Tübingen1986.

Edit Fél, Tamás Hofer: Geräte der Atányer Bauern. Kopenhagen 1974, S. 173 f.Peter Gay: Die Moderne. Eine Geschichte des Aufbruchs. Frankfurt a. M. 2008,S. 317 f.