Timo Heimerdinger, Europäische Ethnologie als Oberflächenwissenschaft
Erscheinungsbild von Telefonen, Küchen oder Autos
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das alles
ist zunehmend relevanter geworden und mittlerweile sogar Gegen-stand milliardenschwerer Gerichtsprozesse. Da sage noch jemand,die Oberfläche sei nebensächlich. Insgesamt erlebt die Materialitätund die sensuell- haptische Dimension in vielen Marketingzusam-menhängen und entsprechend auch in alltagskulturellen Praktikeneine wenn nicht neue, so doch gesteigerte Aufmerksamkeit: DerSiegeszug der Touchscreens ist dabei nur ein Beispiel, auch vieleProdukte aus dem Haushaltsbereich, Kleidung sowie Möbel,Spielzeug oder Unterhaltungselektronik wären zu nennen, unddas nicht nur im einschlägigen, besonders stark auf Materialitäthin orientierten Manufactum- Katalog, sondern in einem weitausbreiteren Sinn. Berührung und damit auch die Oberfläche sind envogue.2
4) Viertens: Fasst man die Oberfläche wie in der Physik als Grenz-fläche zwischen zwei Phasen, dann ist sie immer auch ein Ort derBegegnung, hier: zwischen Mensch und Ding, und muss zudemein Fach, das sich explizit im» Dazwischen«< verortet hat³, gehö-rig neugierig machen. Der Philosoph Thomas Rolf jedenfalls re-sümiert:>> Wo das Lob der Oberflächlichkeit angestimmt wird,argumentiert das Denken antimetaphysisch und vor allem anties-sentialistisch.<< ³1 – Für unser Fach nicht die schlechteste Option.5) Und schließlich als fünfter Grund: Auch wir Kulturwissenschaftle-rInnen produzieren sorgfältig designte Oberflächen. Unsere Texteund Vorträge sind Repräsentationen und Verhüllungen unserer ge-danklichen Schätze, blinder Flecken und Abgründe zugleich, dieBeschäftigung mit der Oberfläche umfasst dann, wie es sich füreine moderne Kulturwissenschaft auch gehört, eine reflexive Wen-dung.
29 Vgl. Timo Heimerdinger: iTouch. Berührung als Schnittstelle zwischen Menschund Material. In: Karl C. Berger, Margot Schindler, Ingo Schneider( Hg.): Stoff-lichkeit in der Kultur. Band zur 26. Österreichischen Volkskundetagung vom10.- 13. November 2010 in Eisenstadt( im Druck).
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Klara Löffler( Hg.): Dazwischen. Zur Spezifik der Empirien in der Volkskun-de. Hochschultagung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde in Wien 1998(= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Ethnologie der UniversitätWien, 20). Wien 2001, hier bes. S. 140-141.
Rolf( wie Anm. 7), S. 471.
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