TAMBURIZZA/ TAMBURICA
Hornbostel/ Sachs 321.321
Neben den regionalen Typen der Tamburen auf dem Balkan( Tambura/ Šargija/ Saz)wurde in Kroatien und Serbien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausder Langhalslaute ein spezielles, orchestral zu verwendendes Saiteninstrument-in Anlehnung an gewisse Teilaspekte der mitteleuropäischen Gitarre- entwickelt.Das von der Gitarre übernommene Griffbrett mit festen Metallbünden ermöglichtein Spiel von künstlerisch schwierigen Werken im mehrstimmigen Satz. So ent-wickelte sich die Tamburizza zum Gruppeninstrument, welches in verschiedenenGrößen und Stimmungen, ähnlich der Instrumentenfamilie der Violinen, herge-stellt wird. Die einzelnen Instrumente erhielten gemäß ihrer Größe, Stimmungund satzgemäßen Zuordnung Eigennamen, welche zum Teil auch die Funktionim mehrstimmigen Spiel anhand des vorhandenen kroatischen Inventars anzeigen:
mittleres Melodieinstrument
Bisernica==
hohes Melodieinstrument
Brač
=
Čelo
==
tiefes Melodieinstrument
BugarijaBerde
=
Rhythmusinstrument
Bassinstrument
Die Metallsaiten werden mit einem Plektrum tremolierend angeschlagen oderentsprechend dem Instrumententyp und der damit verbundenen interpretato-rischen Aufgaben gezupft oder bei der Berde mit einem Lederfleck zum Klingengebracht. Generell werden die Instrumente mit einem birnenförmigen Umrissoder in 8- Form ähnlich der Gitarre gebaut.
Dieser handwerkliche Aus- und Aufbau der Tamburizza sowie die Verbesserungder spieltechnischen Möglichkeiten für künstlerische Darbietungsformen bildetenseit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Basis für die Gründung halbprofessionellerTamburizza- Orchester und Amateurensembles, wie dies parallel in Italien mit derMandoline und in Russland mit der Balalaika geschah. Mit fabriksmäßig normierthergestellten Instrumenten in temperierter Stimmung wurden vor allem in Zagreb/Agram die Instrumentenbauer Tomay und Kovačić sowie in Sissek/ Sisak die FirmenGilg und Stejpušin bekannt.'
1 Branimir Marijić: Volksmusik Bosniens und der Herzegowina. Dissertation an der Universität Wien,Wien 1936, S. 153.
Tamburizza
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