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2 (2012) Musikinstrumente : Katalog der Sammlung der Musikinstrumente des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien. 2 / Chordophone / Walter Deutsch und Gerlinde Haid. In Zsarb. mit dem Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und dem Österreichischen Volksliedwerk. Unter Mitarb. von Elisabeth Egger... Mit einem Vorw. von Margot Schindler
Entstehung
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TAMBURIZZA/ TAMBURICA

Hornbostel/ Sachs 321.321

Neben den regionalen Typen der Tamburen auf dem Balkan( Tambura/ Šargija/ Saz)wurde in Kroatien und Serbien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausder Langhalslaute ein spezielles, orchestral zu verwendendes Saiteninstrument-in Anlehnung an gewisse Teilaspekte der mitteleuropäischen Gitarre- entwickelt.Das von der Gitarre übernommene Griffbrett mit festen Metallbünden ermöglichtein Spiel von künstlerisch schwierigen Werken im mehrstimmigen Satz. So ent-wickelte sich die Tamburizza zum Gruppeninstrument, welches in verschiedenenGrößen und Stimmungen, ähnlich der Instrumentenfamilie der Violinen, herge-stellt wird. Die einzelnen Instrumente erhielten gemäß ihrer Größe, Stimmungund satzgemäßen Zuordnung Eigennamen, welche zum Teil auch die Funktionim mehrstimmigen Spiel anhand des vorhandenen kroatischen Inventars anzeigen:

mittleres Melodieinstrument

Bisernica==

hohes Melodieinstrument

Brač

=

Čelo

==

tiefes Melodieinstrument

BugarijaBerde

=

Rhythmusinstrument

Bassinstrument

Die Metallsaiten werden mit einem Plektrum tremolierend angeschlagen oderentsprechend dem Instrumententyp und der damit verbundenen interpretato-rischen Aufgaben gezupft oder bei der Berde mit einem Lederfleck zum Klingengebracht. Generell werden die Instrumente mit einem birnenförmigen Umrissoder in 8- Form ähnlich der Gitarre gebaut.

Dieser handwerkliche Aus- und Aufbau der Tamburizza sowie die Verbesserungder spieltechnischen Möglichkeiten für künstlerische Darbietungsformen bildetenseit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Basis für die Gründung halbprofessionellerTamburizza- Orchester und Amateurensembles, wie dies parallel in Italien mit derMandoline und in Russland mit der Balalaika geschah. Mit fabriksmäßig normierthergestellten Instrumenten in temperierter Stimmung wurden vor allem in Zagreb/Agram die Instrumentenbauer Tomay und Kovačić sowie in Sissek/ Sisak die FirmenGilg und Stejpušin bekannt.'

1 Branimir Marijić: Volksmusik Bosniens und der Herzegowina. Dissertation an der Universität Wien,Wien 1936, S. 153.

Tamburizza

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