DREHLEIERN
Hornbostel/ Sachs 321.22
Die sieben Drehleiern( Radleiern) in der Musikinstrumentensammlung desÖsterreichischen Museums für Volkskunde in Wien gehören den in Mitteleuropavielfach nachgewiesenen und beschriebenen Typen an.¹
Die Drehleier ist neben dem Dudelsack ein Prototyp der Borduninstrumente. Mitden über ein ständig in Bewegung gehaltenes Rad gespannten Saiten ergibt sichder eigentümliche Klang dieses Instrumentes. Die seitlich verlaufenden Saitenin Basslage ergeben einen Dauerton. Über diesem erklingen die Melodietöne,welche auf ein oder zwei Melodiesaiten, die in der Mitte des Korpus über dasRad gespannt sind, von Holzschiebern( Tasten/ Tangenten) abgegriffen werden.Dieser kastenförmige Mechanismus ist auf der Decke des Instrumentes befestigt,dessen Korpus in Gitarren-, Geigen- oder Lautenform gebaut wird. Ein„ Schnarr-holz" überträgt die Schwingung einer Bordunsaite auf die Decke und erzeugtdamit einen schnarrenden, knatternden Ton. Dieser Schnarrton wird vom Spielerbei bestimmten Musikstücken als rhythmische Bereicherung eingesetzt.
Die Bezeichnungen Rad- oder Drehleier verstehen sich aus der Konstruktion desInstrumentes, und mit den einstigen Namen„, Bauern- und Bettlerleier" wird aufdie Stellung des Instrumentes in bestimmten Gesellschaftsschichten hingewiesen.Aufgrund seiner Verbreitung in fast allen europäischen Ländern erhielt die Dreh-leier unterschiedliche Namen. Seit dem 10. Jahrhundert ist sie nachzuweisen.Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts wird sie als„, organistrum" bezeichnet. DieAbbildungen aus den Jahrhunderten des Mittelalters zeigen das Instrument inkirchlicher und feudaler Umgebung. Im ausgehenden Mittelalter und in derRenaissance erhält die Drehleier neue Formen und wird zu einem Instrument derBauern und Vaganten. Im Zeitalter des Barock und dem anschließenden Rokokowird die Drehleier bautechnisch verfeinert und steigt zu einem höfischen Mode-instrument auf, verbunden mit den Idealen der„ Schäferpoesie". Im 18. und19. Jahrhundert wird die„ Leyer" in vielen Ländern Europas zum Volksmusik-instrument und zum wichtigsten Träger und Vermittler traditioneller, bordunie-render Musikformen.
1 Curt Sachs: Handbuch der Musikinstrumente, Berlin 1919, S. 167-170; Marianne Bröcker: DieDrehleier. Ihr Bau und ihre Geschichte(= Orpheus. Schriftenreihe zu Grundfragen der Musik 11),Düsseldorf 1973.
Drehleiern
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