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2 (2012) Musikinstrumente : Katalog der Sammlung der Musikinstrumente des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien. 2 / Chordophone / Walter Deutsch und Gerlinde Haid. In Zsarb. mit dem Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und dem Österreichischen Volksliedwerk. Unter Mitarb. von Elisabeth Egger... Mit einem Vorw. von Margot Schindler
Entstehung
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Psalterien

In der Geschichte der Musikinstrumente wird das Psalterium" alsVorläufer des Hackbretts beschrieben: ein Resonanzkasten mit unter-schiedlich mensurierten Saiten, die chorisch aufgespannt sein könnenund mit den Fingern oder mit einem Stäbchen angerissen wurden.Später, mit Hämmerchen oder Schlägeln angeschlagen, entwickeltesich das Instrument zum mehrsaitigen Hackbrett.

Das Psalterium gehörte zum Instrumentarium des Mittelalters, wieAbbildungen dies belegen. Im Jahre 1511 veröffentlicht der deutschePriester Sebastian Virdung( 1465-1512) die erste Monographie zurInstrumentenkunde: ,, Mvsica getutscht und auszgezogen durchSebastianum Virdung- Priesters von Amberg..." 11

Darin zitiert er auch das, Psalterium", als zugehörig der

fierd' art der saiten spill/ die haben nit bünde/ auch nur eynenoder zwen kore/ oder dry vff das maiste/ vnd nit darüber/Darumb sye nit so eygentlichen zue regulieren vnd zuebeschryben synd/[...]/ dann ich sye auch für onnützeinstrumenta achte und halte... 12

Diese Ablehnung des Psalteriums durch Virdung ist Ausdruck derZeit, denn Anfang des 16. Jahrhunderts besaß dieses Instrument fürdie gebildete Gesellschaft keine Bedeutung mehr. 13 Ein StuttgarterInstrumenteninventar des Jahres 1589 rechnet das Psalterium zu denFastnachtsgeräten, 14 also integriert in einen Brauchablauf. Einfacheoder gar archaische Formen des Psalteriums finden sich zum Beispielin den Volkskulturen der Baltischen Staaten und Finnlands:, Kanklés"in Litauen ,,, Kokle" in Lettland, Kannel" in Estland und, Kantele" inFinnland. Sie bestehen aus einem unterschiedlich geformten Resonanz-

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11 Sebastian Virdung: Mvsica getuscht..., Basel 1511. Nachdruck hg. von Leo Schrade, Kassel 1931.12 Ebenda: Blatt B.

13 Vgl. Gerhard Stradner: Spielpraxis und Instrumentarium um 1500(= Forschungen zur älterenMusikgeschichte 4/1), Wien 1983, S. 194.

14 Curt Sachs: Handbuch der Musikinstrumentenkunde, Leipzig 1930, S. 136.