Sonderformen
Die Verbreitung der Zither im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in allenKreisen der Gesellschaft war mit„, Demokratisierungsbestrebungen" desMusiklebens gekoppelt.27
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Es entstanden Forderungen nach einfachen und- wenn möglich ohneNotenkenntnisse- problemlos zu erlernenden Instrumenten. In pädago-gischer Absicht und verbunden mit kuriosen Erfindungen konstruierteman Zithern ohne Griffbrett.„, Harfen- Zithern",„, Gitarren- Zithern",,, Mandolin- Harfen- Zithern",„ Violin- Harfen- Zithern" und„ Manual-Zithern"( Accordzithern). Sie wurden als Markenartikel mit entspre-chendem Lehr- und Spielmaterial angeboten. Diese Instrumente waren inden Jahrzehnten zwischen 1870 und 1920 Teil einer Massenproduktion,die vor allem für das Musizieren in Familien und in privaten Musikschulengedacht war. Eine besondere Stellung unter den neu erfundenenZithertypen nahm die„ Gitarren- Zither" ein. 1894 erwarb der BerlinerInstrumentenbauer Friedrich Menzenhauer das Patent für seine erste,, Guitarzither". Zehn Jahre später, 1904, schrieb die„ Zeitschrift fürInstrumentenbau" über dieses Instrument:
Die seit mehreren Jahren eingeführten und auch jetzt in Berlinhergestellten Instrumente mit unterlegbaren Noten erfreuensich noch immer guter Aufnahme, insbesondere gilt dies fürdie so genannte„ Gitarren- Zither". 28
Mit einem Notenstreifen unter den Saiten, zur Erleichterung des Spiels,fand die Gitarrenzither weite Verbreitung in einer neuen, musikalischlaienhaften Gesellschaftsschicht. Trotz der ablehnenden Haltung dergeprüften Zitherlehrer und der traditionellen Zitherspieler gegenüberder Gitarren- Zither erfreute sich dieses Instrument in den ersten Jahr-zehnten des 20. Jahrhunderts großer Beliebtheit.
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27 Andreas Michel: Zithern. Musikinstrumente zwischen Volkskultur und Bürgerlichkeit( InstrumentariumLipsiense), Katalog des Musikinstrumenten- Museums der Universität Leipzig, Leipzig 1995, S. 92.
28 Ebenda: S. 93.