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2 (2012) Musikinstrumente : Katalog der Sammlung der Musikinstrumente des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien. 2 / Chordophone / Walter Deutsch und Gerlinde Haid. In Zsarb. mit dem Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und dem Österreichischen Volksliedwerk. Unter Mitarb. von Elisabeth Egger... Mit einem Vorw. von Margot Schindler
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Zithern

Konzertzithern

Die Konzertzither stellt die musikalische und instrumentenbautechnischeVollendung der Schlagzither" dar. Der bayerische Musiker NikolausWeigel( 1811-1878) schuf die Voraussetzungen für ein vollchromati-sches Konzertinstrument. 1844 stellte er in der zweiten Auflage seiner,, Theoretisch- Praktischen Zitherschule" eine 28- saitige Zither mit einemlückenlos chromatischen Griffbrett mit 5 Melodiesaiten vor, ergänzt durchBass- und Begleitsaiten nach dem Quart- Quintsystem auf Basis desQuintenzirkels.21 Weigels Zitherform wurde nach und nach zum allge-mein anerkannten Modell und seine Saiten- Stimmung- a' a' d' gc-wurde als ,, Münchner Stimmung" zur Norm erhoben. Ein Kennzeichender daraus entstandenen Münchner- Schule ist die oktavierte Notierungder Bass- und Begleitsaiten im Violinschlüssel.

Zehn Jahre später, 1854, veröffentlichte der Wiener Carl J. F. Umlauf( 1824-1902) mit seiner ,, Neuesten vollständigen theoretisch- praktischenWiener Zither Schule" jenes System, das als, Wiener Stimmung".a1 d1 g1 g c- in die Geschichte einging. 22 Im Gegensatz zur Notierung

in Münchner Stimmung" werden bei der Wiener Stimmung"

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die Noten für das Begleit- und Bassregister im Bassschlüssel gesetzt.Mit diesen zwei Zithersystemen war die technische und musikalischeEntwicklung der in allen Gesellschaftskreisen salonfähig" gewordenenZither im Wesentlichen abgeschlossen und sie prägen bis heute dieZitherpflege im süddeutschen und österreichischen Raum.

Die vorliegenden Konzertzithern zeichnen sich durch normierte Form-gebung, Saitenanzahl und ähnliche Konstruktionsprinzipien sowie Maßeaus; die Variabilität ist jedoch gering. Der typische, nur leicht gewölbteKorpus und das Fehlen des unterschiedlich breiten Halses mit deneigenwillig gebauten Wirbelstöcken erinnert nur mehr entfernt an die, Salzburger Form".

21 Josef Brandlmeier: Handbuch der Zither. Die Geschichte des Instruments und der Kunst des Zitherspiels,München 1963; Andreas Michel: Zithern. Musikinstrumente zwischen Volkskultur und Bürgerlichkeit.Katalog des Musikinstrumenten- Museums der Universität Leipzig, Leipzig 1995, S. 56; AlexanderMayer: Nikolaus Weigel. ,, Die Neue theoretisch praktische Zither- Schule"( 1857). Bausteine zu Lebenund Werk. Dissertation an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, Wien 2010.22 Joan Marie Bloderer: Zitherspiel in Wien 1800-1850, Tutzing 2008.

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