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2 (2012) Musikinstrumente : Katalog der Sammlung der Musikinstrumente des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien. 2 / Chordophone / Walter Deutsch und Gerlinde Haid. In Zsarb. mit dem Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und dem Österreichischen Volksliedwerk. Unter Mitarb. von Elisabeth Egger... Mit einem Vorw. von Margot Schindler
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Schlagzithern

Der Übergang von der Kratzzither zur Schlagzither ist anhand dermusealen Instrumente nicht immer nachvollziehbar, da sich dieserÜbergang primär in der Besaitung und der Spieltechnik vollzieht.Die Abkehr vom begleitenden Bordunspiel führte zur Erweiterungder Saitenanzahl und zu deren Trennung in Melodie-, Begleit- undBasssaiten. In Anlehnung an etablierte Zupfinstrumente wie Laute undGitarre, wuchs das Verlangen nach einer Zither mit Voraussetzungenfür ein künstlerisch- anspruchsvolles Spiel.

Während die Kratzzithern weiterhin im Laienmusizieren ihre Gültigkeitbehielten, entwickelte sich daneben eine Spielart mit 3 unterschiedlichgestimmten Melodiesaiten. Zunächst gab es zwei Stimmungen:und g.11 Eine wesentliche Voraussetzung für dieses Zitherspielwar das musikalische Bedürfnis der Musiker nach Beherrschung des ver-fügbaren Tonmaterials durch eine spezielle Griff- und Anschlagtechnik,die auch heute noch Gültigkeit besitzt. Während mit den Fingern derlinken Hand die Melodietöne am Griffbrett in Nähe der Bünde gedrücktwerden, wird mit dem Daumen der rechten Hand oder mit einem auf-gesteckten ,, Zitherring"( seit 1845) die jeweils gegriffene Melodiesaiteangeschlagen. Die übrigen Finger der rechten Hand zupfen die ent-sprechenden Bass- und Begleitsaiten. Als erster Meister dieser neuen,diffizilen Spieltechnik wird in der Geschichte der Zither der gebürtigeNiederösterreicher Johann Petzmayer( 1803-1884) genannt. Als,, Kammervirtuos" des Herzogs Max in Bayern( 1808-1888) hat erWesentliches für die Zitherkunst" hervorgebracht. 12

Ein musikalisch entscheidendes Merkmal für die qualitative Ausbildungder Schlagzither bildete die Chromatisierung des Griffbretts durchAnreicherung der Bünde für die Halbtonschritte.

11 Julius Eduard Bennert: Illustrierte Geschichte der Zither, Luxemburg 1887, S. 28.

12 Ernst Schusser: Herzog Max in Bayern und Johann Petzmayer. Die bedeutendsten Förderer derEntwicklung und Ausbreitung des Zitherspiels im 19. Jahrhundert. In: Volker D. Laturell( Hg.): DieZither is a Zauberin..." Zwei Jahrhunderte Zither in München(= Volksmusik in München, Heft 18),München 1995, S. 33-35; Petra Hamberger: Johann Petzmayer. Der erste Zitherspieler seiner Zeit.Eine Biographie in Texten, Bildern und Noten, Frankfurt- München- Wien 2006.