Druckschrift 
2 (2012) Musikinstrumente : Katalog der Sammlung der Musikinstrumente des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien. 2 / Chordophone / Walter Deutsch und Gerlinde Haid. In Zsarb. mit dem Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und dem Österreichischen Volksliedwerk. Unter Mitarb. von Elisabeth Egger... Mit einem Vorw. von Margot Schindler
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

Aus allen Formgruppen liegen interessante Einzelstücke vor, deren Anzahl einbemerkenswertes Bild über Verbreitung und Beliebtheit der Zither ergibt. Siesind Zeugnisse für die handwerklichen und musikalischen Veränderungen inder Geschichte dieses Volksmusikinstrumentes, dessen Saitenzahl sich konstantvergrößerte, von den Modellen des Scheitholt über die Scheitholtzither undKratzzither zur Schlagzither bis hin zu deren Vollendung in der Konzertzither.

Scheitholtzithern

Als Scheitholtzither" wird jener Instrumententypus benannt, welchermit einem kastenartigen Resonanzkörper und einer unterschiedlichenAnzahl an Saiten für die Melodie und das akkordische Bordunspielsowie in bautechnischer Hinsicht mit 1 bis 4 Nebenwirbelstöckenausgestattet ist. Über diese stufenartig angeordneten Spielfelder sindzusätzliche kurze Saiten gespannt, welche den Gesamtklang mit hohenTönen bereichern. Das ,, Hin- und Herschrumpen" geschieht mit einemPlektrum aus Holz, Knochen oder Horn. Die Töne auf den meist gleichgestimmten Melodiesaiten werden mit einem Spielholz, selten mit denFingern, gegriffen. Schon Michael Praetorius schreibt, dass ,, drey inUnisono uffgezogen" seien.³

Zu den vielen Typen dieser Formgruppe gehören in Europa das Langeleik( Norwegen), die Hummel( Schweden und Deutschland), Hommel( Nieder-lande), das Hexenscheit( Schweiz), citre( Slowenien), épinette des vosges( Frankreich) und Langspil( Island). In den alpinen Regionen findet mandieses in der Anzahl der Saiten erweiterte und bautechnisch veränderteInstrument als Kratzzither, Scherrzither, Zwecklzither und auch als mehr-saitiges Raffele.4 In Ungarn ist dieser Typus,, citera" genannt, mit großen,kastenartigen Zithern vertreten, die nur selten einen Boden, aber häufigeinen oder mehrere Nebenwirbelstöcke aufweisen, welche in oft treppen-artiger Abstufung an der vom Spieler abgewandten Außenseite ange-bracht sind:

20

20

3 Wie Anm. 1.

4 Die Akkordsaiten des Raffele haben im Laufe der Zeit jegliche spieltechnische Bedeutung verloren.

Mit deren Verzicht stellt das Raffele heute eine Rückentwicklung zum dreisaitigen Melodieinstrument

dar.