Hermann Steininger
Zusammenhang mit den etablierten Sammlungen stehen. 19 Es handelt sich hier um insgesamt506 Ausstellungen, die den eben besprochenen 401 in den Museen gezeigten gegenüberste-hen. Genau genommen eine sehr hohe Zahl, die zeigt, wie lebendig sich die nicht- musealorganisierte Ausstellungsszene, die vielfach von Privatsammlungen gespeist wird, darstellt.Bekanntlich spielten und spielen Privatsammlungen von Sachkultur immer eine große Rolle,oftmals waren sie sehr anregend und sind gelegentlich in öffentlichen Besitz übergegangen.Diese 506 Ausstellungen haben andere Veranstalter und Institutionen als Träger: meist Priva-te, Vereine, Parteien, kirchliche Institutionen, Sparkassen, Schulen sowie Kulturreferate derGemeinden. Sie wenden sich wohl an dieselben Zielgruppen. Z. B. im Fall, dass eine Stadtkein Museum besitzt, kann es durchaus sein, dass stattdessen Ausstellungen in oft sehr ver-schiedenen Lokalitäten wie auch zu verschiedenen Anlässen stattfinden. In Amstetten etwa,wo seit den Sechzigerjahren Präsentationen gemacht werden, zähle ich derzeit 17 Ausstellun-gen, die sich verschiedensten kulturhistorischen Themen widmeten, angefangen von„ Osternim Voralpenland"( 1967) bis„ Amstetten- Werden- Wohnen- Wachsen- Wandel"( 1998).Mitunter ergeben sich Kooperationen von mehreren Ausstellungsinitiativen und Rechtsträ-gern sowie Gestaltern. Aus den Ausstellungstiteln kann man mitunter freilich den Inhalt derPräsentation nicht immer genau erschließen. Die meisten Informationen erfährt man- vorallem, wenn man nicht am Ort wohnt- im Nachhinein durch die Presse; Kataloge oderzumindest Bestandslisten von Ausstellungsobjekten sind in der Regel nicht vorhanden odernicht aufzutreiben, die Öffnungszeiten mitunter schwer eruierbar. Dennoch lohnt es sich,diese Aktivitäten zu dokumentieren, um sie später einmal nach bestimmten Kriterien auszu-werten, zu vergleichen, vor allem im Hinblick auf die Gesamtheit der Wirkung öffentlicherund privater Präsentationen. Dass die Zahl der Ausstellungsbesucher, etwa im Rahmen desFremdenverkehrs, eine- es fragt sich aber, welche- Rolle spielt, sei hier nur angemerkt.
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Ich komme zum Schluss. Zunächst war es notwendig, festzustellen, welche Vielfalt vonSachkultur- Beständen in einem Landesteil Niederösterreichs aufgrund regionaler Vorausset-zungen geologischer, wirtschaftlicher und kultureller Art vorhanden ist. Es konnte gezeigtwerden, dass Teilbereiche, zumindest ein Sachkultur- Querschnitt Eingang in öffentliche undprivate Sammlungen und Museen gefunden hat. Diese Sammlungen habe ich inhaltlich ge-gliedert, die Typologie ihrer museologischen Präsentation angesprochen und die regionaleHerkunft der Bestände sowie deren historische Zuordnung dargelegt. Wir sehen, es hattesich allmählich aufgrund der historisch- dynamischen Sammlungskonzeptionen ein gewalti-Fundus von Sachkultur in den verschiedenen musealen Institutionen eingefunden, diesich mehr oder weniger als Bewahrer historischen Erbes sachkultureller Art verstehen. DieEntwicklung dieser Vielzahl von Sammlungen lässt sich freilich schwer kumulativ erfassen;jede einzelne Sammlung ist individuell zu beurteilen. Die kulturelle Aufgabenstellung allerdieser stationären Institutionen hat sich besonders seit den Sechzigerjahren stark verändert.Museales Leben wurde- freilicht nicht überall- jedoch zunehmend gesellschaftsorientiertdynamisch verstanden, Nutzung und Nicht- Benützung des Erbes stehen einander gegenüber;hoffentlich setzt sich nicht die Meinung durch, wir wollen nur das erben, was sich verwertenlässt. Vielfach aber bereichern und ergänzen einerseits Museen und Sammlungen im eigenenFeld durch verschiedene Ausstellungen ihre Wirksamkeit, andererseits stellen wir darüber hi-
19 Vgl. M. Erber- Groiß, S. Heinisch u. H. C. Ehalt, H. Konrad( Hg.): Kult und Kultur des Ausstellens. Beiträge zurPraxis, Theorie und Didaktik des Museums. Wien 1992.
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