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Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
Entstehung
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MIES MEMORY BOX

Obwohl Mies mit dem Haus Wolf noch nicht den Grad an Transparenz und Offenheitder späteren Landhausprojekte erreichte, sind einige Entwurfskomponenten die das Gesamt-werk des Architekten ab 1925 prägen, deutlich ablesbar. Die Komposition basiert auf derasymmetrischen Anordnung von flachen Quadern unterschiedlicher Größe. Die später fürMies zunehmend an Bedeutung gewinnende formalen Mittel des offenen Grundrisses undder fließenden, innen und außen verbindenden Raumkomposition werden bereits mit demLandhaus Wolf thematisiert: Die partielle Auflösung des Innenraumes, das Visualisieren vonBaustrukturen, das Abdecken des Gebäudes mit einem Flachdach sowie die Ausbildung vonTerrassen mit augenfälliger Beziehung zum natürlichen Umfeld bilden das architektonischeKonzept.

Die Ostfassade, von der tiefer liegenden Straßenseite nur durch die beachtliche Gebäudehö-he einzusehen, war über eine leicht geschwungene, schmale Auffahrt zu erreichen. Der massigeGebäudekörper, die gesamte Grundstücksbreite einnehmend, verbarg die dramatische Situa-tion der Westseite am Hang vollends. Die Architektur trennte damit das Grundstück in einenrepräsentativen Vorgartenbereich im Osten und einen rückseitigen Terrassengarten. BeideFreiflächen sind lediglich über einen kleinen Korridor auf der Gebäudesüdseite verbunden.Man betrat das Haus vom Haupteingang auf der Ostseite, der sich kaum einsehbar unterdem weit ausladenden Balkon des ersten Obergeschosses anordnete. Der Besucher erreichteso zunächst den großzügigen Empfangsbereich, von dem eine Treppe hinauf zu den beidenObergeschossen mit Schlafzimmern, Kinderzimmern und Personalräumen führte. Währenddie Zimmer in den Obergeschossen als geschlossene Räume konzipiert wurden, ist auf denfrühen Erdgeschosszeichnungen ein offenes Raumkonzept mit kombinierten Wohn- und Ess-räumen ablesbar. Betrachtet man die Pläne im Hinblick auf ihre Chronologie fällt auf, dassder Architekt von einem zunächst offenen Grundriss immer mehr zu einer herkömmlichenZellenaufteilung übergeht, vermutlich um den eher konventionellen Vorstellungen des Bau-herrn entgegenzukommen.

Wie in anderen Bauprojekten gestaltet Mies nicht nur Gebäude und Freiraum, sondernauch die Möbel. Die Privatfotos der Familie Wolf machen das sehr deutlich. Die Bilderzeigen eine Vielzahl von Räumen mit Tischen, Anrichten und Stühlen von Mies versehen.Dabei entsprechen Tisch und Stühle im Esszimmer der Möbelgruppe, die sich Mies Mitteder 1920er Jahre als Einzelanfertigung für die Neueinrichtung seines Berliner Appartementsherstellen ließ. Wie bei späteren Bauprojekten kam es auch in Guben zur Zusammenarbeitmit Lilly Reich.

Wendepunkt

Als die Bauausführung des Hauses Wolf 1927 abgeschlossen war, hatte Mies van der Roheden ersten Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn erreicht. 1926 wählte man ihn zum Vi-zepräsidenten des Deutschen Werkbundes und 1927 zum leitenden Planer der StuttgarterBauausstellung am Weißenhof. Da das Haus Wolf 1927 am Anfang einer Reihe von bemer-kenswerten Bauprojekten steht, kommt dem Entwurf eine besondere Bedeutung zu. Keinesder vorher von Mies van der Rohe verwirklichten Projekte bricht so deutlich mit der etablier-ten Formensprache und spiegelt den sich allmählich durchsetzenden Architekturansatz nachdem Ersten Weltkrieg wieder.

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