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Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
Entstehung
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,, Erinnerung, Identität, Erbe"

beschleunigt sich weiter, fächert sich thematisch auf und wird überdies breiteren Öffentlich-keiten einsichtig.27 Aleida Assmann stellte angesichts dieser Verdichtung der Gedenkpraxis imZusammenhang der Debatte um das Holocaust- Mahnmal eine Trivialisierung" 28: nationa-len Gedenkens fest, zu der die Medien, gerade auch durch die Popularisierung des National-sozialismus in Spielfilmen( Schindlers Liste") und Fernsehserien beitrügen, die in jüngsterZeit die Opferperspektiven betonen.

Zu einer Veralltäglichung vor allem der jüngsten Geschichte tragen neben entsprechen-den Ausstellungen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Ost und West, z.B. imDeutschen Historischen Museum, insbesondere auch die mediengerecht inszenierten Jubi-läums- Festivals rund um den Pariser Platz in Berlin, bei. Das historische Ereignis- Mauer-fall, Wiedervereinigung- wird erst, gerahmt durch diese popularen Feierpraxen anlässlichder Jahrestage, zu einer für die nationale Gedächtnisgemeinschaft konstitutiven Erinnerungstilisiert, die gerade aufgrund ihrer medienwirksamen ästhetischen Aufbereitung Beachtungfindet. Verdichtet in bunten Bildern, geben die Medien die als erinnernswert übermitteltenEreignisse in ihrer jeweiligen Interpretation vor. So ist es also insbesondere die Funktion derJubiläumsfeierlichkeiten als Medien- Events, einen symbolischen Gedächtnisraum, eine natio-nale Erinnerungsgemeinschaft, zu erstellen und einen durch die veränderten gesellschaftlichenRahmenbedingungen wieder möglichen oder notwendig erscheinenden nationalen Wissens-und Wertefundus auszuhandeln, zu reaktivieren und auch im Alltag durch multimediale In-szenierungen zu etablieren.

Die deutsch- deutsche Einigung war sicherlich noch vor Europäisierung und Einwanderungder dominante Auslöser und Grund für die neue Betrachtung des kulturellen Erbes. Dabeibrachten Ost und West, und hier jeweils auch wieder die verschiedenen Generationen undSubgruppen, für die Erb- Auseinandersetzungen um Gewicht, Anteil und Deutung bis datogetrennter Erinnerungen bekanntlich recht unterschiedliche sozioökonomische, machtpoli-tische und mentale Voraussetzungen und Weltsichten mit. Was sollte aus dem öffentlichenGedächtnis ausgelagert, welches Erbe angenommen und mit Hilfe welcher Medien und For-men weitergegeben werden?

In der großen Jubiläumsausstellung im Gropius- Bau in Berlin, Einigkeit und Recht undFreiheit. Wege der Deutschen 1949- 1999" 29 bildete die DDR neben der westdeutschenErfolgsstraße mit dem hier zum Erinnerungsort" aufgestiegenen Grundgesetz", dem VW-Käfer, den Helden von Bern" und der D- Mark, lediglich eine Sackgasse. Mit Hilfe der hier27 Konrad Jarausch 1995( wie Anm. 6) sprach angesichts dieser Befunde von einer, Feuilletonisierung" derErinnerung, deren Wächter" längst die Journalisten( und nicht im engeren Sinn die fachwissenschaftlichenZirkel) seien, und brachte in diesem Zusammenhang den Begriff des ,, Gedenkkalenders" auf.- Das Haus derGeschichte in Bonn oder das Deutsche Historische Museum in Berlin, das wie neuerdings das DDR- Museumauf einer Standardroute der Berlin- Touristen liegt, sind nationale Institutionen, die mit Ausstellungenwie z.B. über die ,, Mythen der Nationen" oder über den Holocaust" und immer wieder zu Ost- West-Unterschieden und-gemeinsamkeiten den nationalen Bezugsrahmen für Geschichtsbetrachtung zwar inein weiteres gesamteuropäisches Bezugsfeld stellen, aber eben doch zunächst primär zur Ausbildung einesBewußtseins für das nationale Eigene in seiner historischen Dimension beitragen.

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Assmann 1996( wie Anm. 14), 12. Erinnert sei zuletzt an die soap- artigen Zweiteiler über Flucht undVertreibung", über den Krieg gegen die Zivilbevölkerung im Bombardement auf Dresden oder über denUntergang der ,, Gustloff".

Eine Gemeinschaftsausstellung des Deutschen Historischen Museums, des Hauses der Geschichte derBundesrepublik Deutschland und der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, 23.5.-3.10.1999 im Martin- Gropius- Bau, Berlin.

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