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Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
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,, Erinnerung, Identität, Erbe"

pektivierung auf Flucht und Vertreibung zeigen. Denn solche, eine Konkurrenz der Opfer"erzeugenden, Erinnerungsorte" sind nach wie vor mit schwer überwindbaren gegensätzlichennationalen Deutungstraditionen über Opfer- und Täterkollektive belegt und sie erweisen sichsomit für die europäische Identitätsbildung als wesentlich sperriger als das scheinbar zeitlosgültige approbierte Erbe bildungsbürgerlicher Provenienz."

Building Europe" vermittelt sich demnach, so Gudrun Quenzel in ihrer Studie über dieKulturpolitik der Europäischen Union10, durchaus in gewissem Sinne analog zum Prozess des,, nation building" des 19. Jahrhunderts vor allem auch als ein kulturelles ästhetisches Projekt.Wie einst der nationale Raum als kultureller Raum ausgemessen und veralltäglicht wurde¹¹,so imaginiert der Europäische Rat Europa nicht nur als Werte- und Kommunikations- sowieals negative Erinnerungsgemeinschaft, sondern vor allem auch als ästhetische Einheit, derenVölker bei aller Verschiedenheit auch ein gemeinsames kulturelles Erbe( z. B. eine Kunst-geschichte in parallelen Epochen, die christliche Kunst und Kultur, das Menschenbild derAufklärungszeit) aufzuweisen hätten. 12 Wie einst die Regionen in die Nation, so werden jetztdie ,, nationalen Kulturen" in den größeren europäischen Bezugsrahmen im Sinne einerDoppelidentität zu überführen versucht. Und wie einst beim nation- building" sind dieWissenschaftlerInnen ganz wesentliche Akteure in diesem Prozess der Umkonstruktion derIdentifikationsräume. Sind wir VolkskundlerInnen jetzt, zumindest in der mitteleuropäischenFachtradition, nicht mehr Konstrukteure und Musealisierer einer nationalen Volkskultur,sondern als Europäische Ethnologen eher kritische BeobachterInnen der europaweiten Kons-truktionsprozesse eines kulturellen Raumes Europa? Wie wollen wir uns hier verstehen¹³?

Im Folgenden wird diese Betrachtungsebene der europäischen Identitätsbildung, der Kon-struktionsprozesse einer europäischen Erbengemeinschaft, verlassen und der Fokus auf dieerbpolitischen Debatten innerhalb des nationalstaatlichen Bezugsrahmens gelegt. Diese sind,zumal in Deutschland, ebenfalls hochaktuell, wenngleich hier weiterhin von den Akteurenselbst der Begriff Erbe" kaum verwendet wird. Um trotzdem oder gerade deshalb mit demAssoziationsfeld dieses Begriffes zu spielen: Geradezu Erbstreits um Inhalte und Bewertun-

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Siehe hierzu auch Quenzel( wie Anm. 7). Holocaust oder auch Flucht und Vertreibung sind als gemeinsame,aber unterschiedlich erlebte und in der Nachkriegszeit diskursiv vermittelte Geschichtserfahrungenweiterhin trotz der wegsterbenden Zeitzeugen eher hin und her zu verschiebende Erblast für dieNachgeborenen. Dies zeigte z.B. eine Konferenz ,, Strategien der Geschichtspolitik in Europa seit 1989.Deutschland, Frankreich und Polen im internationalen Vergleich"( Deutsches Historisches Museum,Berlin 8.- 10.11.07), veranstaltet vom Zentrum für Historische Forschung Berlin, der Polnischen Akademieder Wissenschaften, dem Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropasan der Universität Leipzig( GWZO), der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit dem DeutschenHistorischen Museum, der Botschaft der Republik Polen in Berlin und der Botschaft der FranzösischenRepublik in Deutschland. Siehe Andreas Mix: Jede Menge Konfliktstoff. Eine Konferenz zur Geschichtspolitikin Deutschland, Polen und Frankreich. In: Berliner Zeitung, 12.11.2007.Quenzel 2005( wie Anm. 7).

11 Siehe Löfgren 1989( wie Anm. 2); Wolfgang Kaschuba: Nation und Emotion. Europäische Befindlichkeiten.In: Ethnologia Europaea Vol. 28, 1989, 101-110.

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Siehe Quenzel 2005( wie Anm. 7), 136.

Inwieweit bereits die Europäisierung unseres Faches bedeutet, dass wir Europa als kulturellen Raumausmessen und allein dadurch selbst affirmativ an der kulturellen Konstruktion Europas beteiligt sind, isteine an dieser Stelle nicht beantwortbare Frage auch hier wären wohl interessante Unterschiede imUmgang mit dem nationalen Erbe in den westlichen und östlichen postsozialistischen Volkskunden zubeobachten. Siehe hierzu auch Reinhard Johler: Eine Ost- West- Ethnographie. Volkskundliche Perspektivenauf Europa. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde Jg. 96, 2000, 187-200.

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