"
er sich ins rechte Auge sticht, das in der Folge erblindet. Diese Behinde-rung, gegen die Geramb lebenslang tapfer ankämpft, sollte ihm, u. a. vonNeidern und Missgünstigen perfide eingesetzt, noch zahlreiche Hürden be-reiten. Seine Volksschulzeit absolviert Geramb in Graz(„ Übungsschule ander kk. Lehrerbildungsanstalt 1890-1894) und zwischen 1894 und 1898besucht er die Unterstufe des„, kk. II. Staatsgymnasiums" 7, wo er auch die„ Preisprüfung aus steirischer Geschichte mit Vorzug" ablegt.Gerambs väterlich- familiäre Wurzeln lassen sich in Ried im oberösterrei-chischen Innviertel bis 1460 zurückverfolgen; 1610 wird die Familie vonKaiser Rudolf II. in den erblichen Adelsstand erhoben. Unter den väterli-chen Vorfahren befinden sich reiche Bergwerksbesitzer, aber auch Geistli-che, sein Großvater ist Schemnitzer Bergakademiker und arbeitet späterbei der Innerberger Hauptgewerkschaft in Eisenerz, wo sein Vater geborenwird. 10
Ein weiterer Brennpunkt der Gerambschen Biografie ist seine praktizier-te, tiefe Gläubigkeit, die z. B. deutlich seine AutoBiografie durchdringt,ein starkes Gefühl eines Geführtwerdens durch eine„ gütige, überirdischeVaterhand" ¹1, bei gleichzeitiger Erfahrung von Schicksalsschlägen undWidrigkeiten, wie dem Verlust der Mutter, die vierzigjährig 1901 in Juden-burg verstirbt und dort auch begraben wird. 12 Die Gymnasialoberstufe ab-solviert Geramb am„ kk. Staatsgymnasium in Villach" 13, wo er am 19. Juli1902 maturiert.
Ein dritter Brennpunkt wäre Gerambs Selbstverständnis als„ Volksforschernach historischer Methode" 14. Dieser Zugang wird schon durch Gerambsfundierte historische Ausbildung grundgelegt.
Sein groẞdeutsches Kulturbewusstsein, das allerdings, wie durchaus kri-tische Zeitzeugen berichten, niemals chauvinistische Züge annahm undsich von der Nazi- Gräuel angewidert abwandte, stellte einen vierten Brenn-punkt dar.
2. STUDIUM UND PROMOTION
Im Wintersemester 1902/03 nimmt Geramb das Studium an der Karl-Franzens- Universität in Graz auf. Geramb hört die ersten beiden Semes-ter hauptsächlich 15 an der Abteilung„ IV. Philologie" 16 bei den GermanistenAnton Emanuel Schönbach und Bernhard Seuffert sowie dem Ordinariusfür Sanskrit und vergleichende Sprachwissenschaft, Rudolf Meringer17 18Geramb ist von Schönbach, namentlich seinem collegium publicum„ Dasdeutsche Volkslied", sehr begeistert, andererseits„ fühlte ich bald einedeutliche Abneigung gegen mich, die vielleicht gar nicht schlimm gemeintwar" 19. Jedenfalls bewegt diese gespürte Abneigung den jungen Couleur-studenten der Akademischen Sängerschaft Gothia 20, nach zwei Semes-tern zum Fachbereich Geschichte und Geografie zu wechseln. Viktor von
GERAMB LEBEN 14