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Volkskunst der Balkanländer : in ihren Grundlagen erläutert
Entstehung
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bildend auf die alten Betriebe erstreckt, hat in Geschmack und Technik seine Moden hieherverpflanzt und aus der oft zwangsweisen Ausgestaltung des künstlerischen Gewerbefleißes vielerleieigenen Bedarf gedeckt und reichlichen Gewinn gezogen. Die geringe Bewertung der Arbeits-kraft, die vielfach in schwer abzuändernden gesellschaftlichen Verhältnissen wurzelt,anderseits die zukunftsreiche Rohstofferzeugung dieser Gebiete( Baumwolle, Seide, Farbpflanzen)läßt anbetracht des von

uns mehr als je reizvollempfundenen Wertes derArbeiten wünschen, esmöge diesem Hausfleißder Frauen in dieser oderjener Form zu ihrem undunserem Gewinn eine ge-sicherte Zukunft von denzuständigen Kreisen ver-ständnisvollwerden.

angebahnt

CO* C O* P* x* x

Abb. 30. Rockbesatz in Tuchmosaik, mit Kettelstichstickerei in farbiger Seide verziert.Dalmatien( nach N. Bruck- Auffenberg).

C. Städtische Zierkünste im Bereich der Volkstrachten.

Ziertechniken, die in ihrer reizvollen Gestaltung zu sehr im Kleiderprunk heute überlebterKultur wurzeln, um als solche zukunftsreich zu sein, vielmehr mit diesen alten Trachten einnatürliches Ende finden dürften, bilden die Aufnäharbeit mittels Borten, Litzen, Schnüren unddie ihr entsprechende Goldfadenstickerei, die einen alten Ruhmestitel der Basarschneider inden türkischen Ländern, vor allem aber in den Städten Skutari und Janina bildet[ 4].

Dieses Aufnähen von Goldschnüren auf Staatsgewänder ist schon aus hellenistisch- römischer Zeit fürdas östliche Mittelmeergebiet nachzuweisen und wahrscheinlich ist auch die römische Bezeichnung arsplumaria" für gewerbliche Kunststickerei aus der fiederförmigen Parallelführung der Fäden bei derlei Auf-näharbeit zu erklären. Auch Bortenmacher und-näher hat es damals schon in nennenswerter Zahl gegeben[ 38, 2].Wenn wir zudem von Goldfadenarbeit auf Staatstuniken oder gar von einer tunica palmata" lesenund die blattartige Grundform der alten Gewändereinsätze mit den heutigen dichtflächig bei vielfachparalleler Fadenführung ausgenähten Palmwipfelmustern auf Mänteln und Prunkgewändern vergleichen,dann drängt sich uns der Gedanke auf, daß hier orientalische Glossar ::: zum Glossareintrag  orientalische Prunkliebe der Gegenwart viel mehr aufantiker Entwicklung wurzelt, als eine allein auf die klassischen Formen gerichtete Betrachtung uns dieszunächst zu verheißen vermag.

Welches die stilistischen Abwandlungen der heute vorwiegend in verschlungenem Rankenwerksich erschöpfenden Muster über die Jahrhunderte hinweg gewesen sind, ist heute allerdings invollem Umfang nicht mehr zu erkennen( Taf. XVII, 2, 7-9; Abb. 29).

Ein aus dem Jahre 1672 sich herschreibendes Westenmuster zeigt reinlineare Anlage von jenerkrausen Art, die uns besonders durch arabische Handschriften und Miniaturen geläufig geworden ist. Einanderes makedonisches Muster zeigt vollkommen barocke Fassung; einen ähnlichen Entwurf zeigen dieZwickelfüllungen eines nordalbanischen Mantelrocks. Es findet sich an ihm ein in prächtigem Schwung freigeführtes Muster vor, wie es so liniensicher gezeichnet selten anzutreffen ist; im allgemeinen scheint engeFlächenfüllung bei Parallelführung der Fäden der stickenden Hand ein erwünschtes Gängelband gebotenzu haben, wie gewiß auch die spiraligen Muster zu besonderer künstlerischer Höhe in Ragusa ent-wickelt am Leitfaden der Technik entstanden sind( Taf. XVII, 9).

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Eine neuere, im ganzen weitaus weniger geschmackvolle Technik bildet die Aufnäharbeitunter Anwendung von Goldschenille und wulstartigen Schnüren, die eine Art Streumuster in viel-fältiger Schnörkelung über die geschmückten Gewänder ausbreitet. Die Kunst der Basarschneiderdes Orients Glossar ::: zum Glossareintrag  Orients ist schier unerschöpflich in kleineren örtlichen Abwandlungen des Zierats, der einweites Feld vom Kaukasus bis Nordafrika innehat.

Das Landvolk hat sich wie in Serbien so im ganzen westlichen Teil der Halbinsel diese

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