wie geschäftlich interessierter Kreise desAbendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag Abendlandes hauptsächlich im klein-asiatisch- levantinischen Handelsverkehrauf sich gelenkt haben, kunstgeschicht-lich dagegen kaum je beachtet wurden. Umihre kunstgeschichtliche Stellungvollauf zu würdigen, müssen wir auch hiernach ihren volksmäßigen Unterlagenin weitestem Umkreis Umschau halten.Mit dem Zierstil der Tracht selbstverknüpft erscheint ihr künstlerischerSchmuck lediglich an den übereck zu
faltenden Kopftüchern der Frauen inNorddalmatien und Bosnien, die in über-raschender Gleichartigkeit in der Trachtder Mordwinen wieder erscheinen.
Auch der von M. Haberlandt alsälteste Zier gekennzeichnete rote Einsatz-streifen kehrt dort als rotbrauner Rand-
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Abb. 25. Inneres der großen Moschee in Pekinje. Phot. Hdt.Freskenbemalung vor 1800.
streifen wieder, wogegen Durchbruchsäume und Klöppelspitzenbesatz des adriatischen Küstengebietes wohlder italienischen Schmucktechnik verdankt werden. Die Kästchenstickerei des roten Streifens wurde schonfrüher als abgeleitet aus flächenfüllendem Zierat gekennzeichnet( s. o. S. 41).
Das Innenfeld des Tuches wird in Bosnien etwa mit einem einfachen Rauten- oder Streifenmusterin Wirk- und Stilstich bestickt, in Dalmatien finden wir entsprechend der fortgeschritteneren Hemdziervorwiegend pflanzliche Muster auf einem in Kreuzform unterteilten Grunde, in Kreuz- und Stilstichstickereivor; die Blüten sind manchmal in die Formen des Schnörkelkreuzes oder Doppelkreuzes# übergeführtoder dieses selbst tritt auf; auch findet man Blütenzweige in streng fiederförmiger Anordnung oder ebensoabgezirkelter Knickung ganz in der Art der ruthenischen Hemdstickereien. Wir sehen darin eine vonvorderasiatisch- persischen Pflanzenmustern beeinflußte Arbeit, die ihre Entsprechung etwa in den volks-tümlichen Leinenstickereien des Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag Abendlandes, angefangen vom 16. Jahrhundert, besitzt und zeitlich gleich-artig mit dieser sich entwickelt haben dürfte.
Den Hauptstock der Arbeiten bilden rechteckige lange Schmuckschärpen mitstreifiger Verzierung der Enden.
Auf ihre weitreichende Geltung als Zierat für Haus und Tracht, als kirchliche und heidnische Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischeOpfergaben, als die wir sie vom mittelalterlichen England bis Zentralasien verfolgen können, wurdebereits an anderer Stelle hingewiesen[ 21].
Im Mittelmeergebiet tauchen Schärpen mit streifig durchwirkten Enden zufrühest in den Gräberfundenvon Achmim auf und auch in Mittel- und Nordeuropa haben wir uns derlei Tücher in gleicher Art mitbuntem Gewirk verziert zu denken, wie Schriftquellen und stoffliche Reste übereinstimmend dartun.
Heute sind sie als Kopf- und Zierschärpen gegen Westen hin auf das slawische Volksgebiet beschränktso in Mähren; auch in Südungarn treten die letzten Ausläufer bei den Serben des Sárköz auf[ 21,27, 33, 35, 13].
Die heutigen volkstümlichen Arbeiten Ost- und Südosteuropas zeigen in der Regelstreifige Musterung des Grundgewebes, zum Teil auch Schrägmusterung und Broschierung,so in Syrmien, im Karpathengebiet, in der Ukraina. In ersterem Gebiet wie auch in Albanienund Altserbien wird der Grund auch in mühsamer Nadelwirkerei ausgestaltet, wobei gebleichterund ungebleichter Schuß in wirksamster Weise zur Musterbildung zusammentritt. Dazu tritt farbigerDurchzug der Enden mittels der Wirknadel, der nur an älteren albanischen Arbeiten( bis zurMitte des 19. Jahrhunderts) geometrische Rauten- und Kreuzmuster beibehalten hat, anderwärtsaber vielfach zu anderer Gestaltung fortgeschritten ist( Taf. XI, 1–8 u. Abb. 24).
So finden wir in Altserbien heraldisch gepaarte Tiere zwischen Zypressen,„ lebensbaumartige"Blumenstöcke mit Tulpenblüten und einer Palmwipfelbekrönung; die Vase, aus der der Baum aufsprieẞt,ist ganz winzig angedeutet. In Albanien werden heutigentags ähnliche, der Stickerei entlehnte Muster instrenger Reihung mit älterem Gut bunt vermengt.
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