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Volkskunst der Balkanländer : in ihren Grundlagen erläutert
Entstehung
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Abb. 22. Aromunischer Webstuhl für grobe Schafwolldecken. Albanien.

6. Jahrhundert angehörigen Mosaiken von S. Vitale in Ravenna bereits am Gewande des Heiligenjene Zierstücke in derselben geometrischen Mustergebung und an denselben Stellen angebracht,wie wir sie heute noch an den osteuropäischen Trachten in Verwendung finden. Damals hatte alsodieser Zierstil bereits sich durchgesetzt, gewiß nicht als neue Erfindung byzantinischer Werkstätten,sondern auf alten volksmäßigen Unterlagen, wie ja auch die Technik bereits in früherer Zeit geübtwurde. Besonders charakteristisch ist die Umfangung des Musters mit einsäumenden, oft treppen-förmig geführten Stilstichen. Noch heute wird in ganz Osteuropa bis zu den Mordwinen undTscheremissen hin die Musterung der Hemdröcke mittels Wirksticharbeit bestritten, wobei nachalter Art die Umrisse mit abgetrepptem Stilstich, bzw. in Holbeintechnik schwarz umfangen werden( Taf. X, 3).

Bisweilen findet man auch reine Umriẞstickerei in letzterer Technik, so bei den Ostjaken; obfarbige Auszier der Innenflächen bestanden hat, ist fraglich[ 52]. Jedenfalls legen derlei mangelhafte"Stücke den Gedanken nahe, daß die Umriẞstickerei namentlich in Treppen- und Kästchenstich, wie sie seitdem 15. Jahrhundert im östlichen Mittelmeergebiet vielfach geübt wurde und, in weinroter Seideausgeführt an Besatzstreifen aller Art auf den griechischen Inseln bis in späte Zeit im Schwange blieb, auseiner Stilwandlung der Arbeiten zu rein zeichnerischer Ausführung durch Weglassung des farbigen Schmucksherzuleiten sei. Eine Bestätigung dessen läßt sich vielleicht auch in dem Stickmuster eines Brustlatzes ausdem Canaletal bei Ragusa( 16. Jahrhundert) finden. Nach N. Bruck- Auffenberg zieht die Canaleserin,wenn sie Trauer hat, ein Hemd mit nur angefangener Stickerei an, bei dem erst die schwarzen Kontur-fäden des Musters eingearbeitet sind( a. a. O. S. 13, vgl. Taf. X, 3); ob dies auch bei den erwähnten

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