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Volkskunst der Balkanländer : in ihren Grundlagen erläutert
Entstehung
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Vorwort.

ie vorliegende Arbeit stellt eine erste Übersicht über den persönlichen Kunstbesitzder Völker der Balkanländer und einen Versuch seiner stilistischen und kultur-geschichtlichen Eingliederung in das europäische Kunstschaffen alter und neuer Zeit dar.

Gegenüber der von der osteuropäisch- slawischen Wissenschaft bevorzugten Zugrunde-legung der byzantinisch- oströmischen Überlieferung hiefür verfolgt die Arbeit diewichtigsten typologischen Eigenheiten und Grundzüge der volkskünstlerischen Arbeitenin jeder Erstreckung bis in die letzten zeitlichen Tiefen. Auf welchen Erkenntnissensie dabei fußt, sagt die Einleitung.

Die Betrachtung der künstlerisch oft so reizvollen Einzelstücke hat sich dabei derErfassung durchgängiger Grundzüge an größeren Entwicklungsreihen unterordnenmüssen, in der Erfahrung, daß die Volkskunst typische Massenkunst ist und daß ihreGesetze nur dem aufs Ganze gerichteten Blick sich offenbaren.

Es ist die Frucht eigener zehnjähriger Beschäftigung auf diesem Stoffgebiete undder Sammeltätigkeit des Museums für Volkskunde in Wien, die damit ans Licht tritt.In höchst dankenswerter Weise hat ferner Herr Luigi Jacovich( Skutari) eine sehrbelangreiche Sammlung von Haremsstickereien zum Studium und zur Veröffentlichungzur Verfügung gestellt, ebenso muß dem Österreichischen Museum für Kunst undIndustrie für die Gestattung der Veröffentlichung einiger prächtiger Arbeiten der gebührendeDank erstattet werden; eine Anzahl den Stoff geschichtlich beleuchtender Lichtbild-aufnahmen habe ich persönlich gelegentlich meiner wissenschaftlichen Balkanexpeditionim Sommer 1916 machen können.

Die Veröffentlichung des Stoffes und damit seine Bereitstellung für weitere For-schungsarbeit wurde dem Museum für Volkskunde durch die Bewilligung namhafterSubventionen von seiten des ehem. k. k. Handelsministeriums und vor allem desUnterrichtsministeriums ermöglicht, das damit ein hochgesinntes Interesse an der Pflegeinternationaler Kunstwissenschaft getätigt hat.

Der hergebrachten Kunstforschung ist der einschlägige Stoff so wenig geläufig,daß die Literaturverweise[ in eckiger Klammer] meist die ganzen Abschnitte derVeröffentlichungen im Auge haben, deren Durcharbeitung ein Weiterforschen aufdiesem Gebiet ermöglicht, zu dem die Arbeit den Ausgangspunkt bieten möchte.

Wien, im Mai 1919.

Dr. A. HABERLANDT.