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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
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VOLKSKUNST, POPULÄRE ÄSTHETIK

Jagd und Jäger im Spiegel der, Volkskunst"

Seit der Urzeit regt die Jagd die Phantasie des Menschen zu künstlerischem Schaf-fen an. Voll Staunen bewundern wir die expressionistisch anmutenden Malereien inden Höhlen von Lascaux und von Altamira. Auch die Ritzzeichnungen und die pri-mitiven Glossar ::: zum Glossareintrag mitiven Schnitzwerke der Steinzeitkünstler erregen unsere Anerkennung. Ohne dasGeheimnis solchen Tuns völlig zu ergründen, darf man annehmen, daß der Antrieb zurDarstellung und Abbildung des Wildes und der Jagd wohl kultischen oder magischenUrsprungs ist. Die Jagd bedeutete für den Menschen der Frühzeit Existenzsicherung.Ihr Erfolg entschied über Leben und Tod. Verständlich, wenn man mit Hilfe von Sym-pathiezauber das Jagdglück zwingen wollte.

Lange Zeit glaubte man nun auch die Bildzeugnisse auf den alltäglichen Ge-brauchsobjekten innerhalb der ländlichen Kultur mit den Erscheinungen primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiverKulturen vergleichen und ihren Ursprung ebenfalls im Mythologischen suchen zukönnen. Man denke hier etwa an das Motiv vom springenden Hirsch. Die Vorstellungvom Hirsch als Zugtier des Sonnenwagens, als Wettertier( zu Lichtmeß macht dieSonne einen Hirschsprung), dessen Geweihe gegen den Donner schützen( aus diesemGrund befanden sich bis ins 19. Jahrhundert Hirschgeweihe am Stephansdom), undals Tier von großer Geschlechtsstärke haben wahrscheinlich dazu beigetragen, denHirsch als Bildmotiv und im Ornament lebendig zu erhalten. Von daher mag manverstehen, daß die Volksmedizin, aber auch der Aberglaube in Form von Amulettendie Kräfte dieses edlen wie flinken Tieres sich zunutze machte. Vor allem das Bildvom pfeilgetroffenen, weidwunden Hirsch, der mit Hilfe des Lebenskrautes oder derheilenden Wurzel( Rübe) im Äser den Tod überwindet, hatte für den Menschen allzeitetwas Tröstliches. In Form von graphitierten oder grün glasierten Kacheln fand diesesMotiv schon früh Eingang in die Bauernstuben. Lebzelter gaben den von Pfeilen ge-troffenen Hirsch bei Modelstechern in Auftrag, um ihn in Form von süßen Lebkuchenam Kirtag zum Kauf anzubieten. Für eine doch wohl gehobene Kundschaft malten dieKrügelmacher den König der heimischen Wälder auf den weiß glasierten Grund vonSchüsseln und auf die birnenförmigen Majolikakrüge. Als gegenständige Paare oder inlangen Reihen erwuchsen die Hirsche am Webstuhl auf Borten und prächtigen Decken,die durch Wanderhändler weite Verbreitung fanden. Auch die Schmiede wußten denFeuerböcken die Gestalt des Hirsches zu geben, und manch Schlüsselloch umrahmt einaus Blech geschnittener Hirsch.

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