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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
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VOLKSKUNST, POPULÄRE ÄSTHETIK

kulturräumlichen in den Möbelstuben", unter einem funktionalen in den AbteilungenReligiöse Volkskunst, Schauspielwesen, Musik, Zunftwesen oder unter einem nachSachgruppen zu ordnenden Aspekt in der Modelsammlung, bei der Keramik, den Mö-beln, dem Spielzeug, den Textilien usw. Wichtige Gruppen sind freilich nur mit weni-gen Objekten in der ständigen Ausstellung vertreten. Von der reichen Sammlung anHinterglasbildern aus Sandl, zu denen das Museum auch die entsprechenden Rissebesitzt, befindet sich ein großer Teil im Depot. Die Trachten und Textilien sind nurmit bildlichen Zeugnissen und mit Goldhauben vertreten, obwohl auch hier wertvollealte Stücke vorhanden sind. Es kann nicht in der Absicht des Museums liegen, sämt-liche Objekte zeigen zu wollen, sondern es sollen an Hand einer durchdachten Aus-wahl innerhalb eines gesamtösterreichischen Museums die Schwerpunkte und Zentrenoberösterreichischer Volkskunst, ihr Stellenwert in der Volkskultur und ihre Bestim-mungsmerkmale veranschaulicht werden.

Wenn das alles heute geradezu selbstverständlich, in seinen Zusammenhän-gen geordnet und mit Schautafeln übersichtlich dargestellt ist, so darf, wie LeopoldSchmidt in seinem Buch über das Werden und Wesen des Österreichischen Museumsfür Volkskunde schreibt, nicht vergessen werden, daß die Zeugnisse der Volkskunstim 19. Jahrhundert noch völlig unbeachtet waren. Selbst die begriffliche Klammerfehlte.

Erst als die Kunstgewerbebewegung die traditionsgebundenen Handfertigkeitender ländlichen Bevölkerung sozusagen für sich zu entdecken begann, wurde auch einebreite Öffentlichkeit auf diese Erzeugnisse aufmerksam. Die einfachen, material- undfunktionsgerechten Formen regten zur Nachahmung an und boten den Ansatzpunktfür eine Erneuerung der gewerblichen Kunst. Auch die zunehmende Maschinenferti-gung führte zu einer wachsenden Wertschätzung der Handarbeit. Die Mechanisierungund Industrialisierung drohte die handgefertigten Produkte in den Hintergrund zudrängen und damit vielen hausgewerblichen Betrieben den bitter benötigten Neben-verdienst zu entziehen. Um die Abwanderung aus wirtschaftlich schwachen Regionenzu verhindern, versuchte man durch die Errichtung von Fachschulen in den Zentrender Hausindustrie eine Qualitätsverbesserung und damit eine Absatzsteigerung zu er-zielen. So entstand in der Viechtau bei Gmunden eine Schnitzerschule, die späternach Ebensee und schließlich nach Hallstatt verlegt wurde. Im Mühlviertel, das seinenzahlreichen Hauswebereien den Namen, Bandlkramerland" verdankt, errichtete manin Haslach eine Fachschule für Weberei.

Die fortschreitende Urbanisierung weckte aber auch das Verlangen nach dem Na-türlichen, Ursprünglichen und Einfachen, denn man hoffte, daraus ein neues Lebens-gefühl, eine neue Sinnerfüllung zu gewinnen. Eine ganz neue, der Jugendbewegungzugeneigte Richtung begann sich mit der Kunst auf dem Lande zu beschäftigen.Selbst Künstler suchten Zugang zur primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Kunst. Die Herausgeber des BlauenReiters", Wassilij Kandinsky und Franz Marc und ihr Kreis in München, bekanntensich nachdrücklichst zur Volkskunst, in der sie den Urzustand des Bildnerischen er-blickten. Man verglich die Volkskunst mit den bildnerischen Äußerungen der Kinder

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