,, Bader Jagerl und Gertraud"Zwei Alt- Ischler Maskengestalten
> 1982
Vor 110 Jahren( 1872) heiratete in Bad Ischl zur Faschingszeit ein gewisser Herr,, Bader Jagerl Kopf" das ehrenwerte Fräulein„ Gertraud". Eine Begebenheit, die kaumder Erwähnung wert wäre, hätte es mit den beiden nicht eine besondere Bewandtnis:Beide„ leben“ nämlich noch und lassen es sich nicht nehmen, jedes Jahr an ihremHochzeitstag im Fasching in einer Kutsche durch die Stadt zu fahren. Eine Schar Kin-der, dem Anlaß entsprechend kostümiert, begleitet sie bei ihrer Rundfahrt, und auchdie Erwachsenen nehmen am Umzug teil oder winken den beiden zu, wofür sie einestumme, vornehme Verbeugung ernten. Man spürt förmlich, wie diese beiden ehrwür-digen und doch so erstaunlich rüstigen Alt- Ischler die Begeisterung der Bevölkerungbei ihrer jährlichen Ausfahrt genießen, von der sie dann während des Jahres- imMuseum träumen.
Der„ Bader Jagerl“ und seine Gesponsin„ Gertraud" sind nämlich zwei Masken-gestalten, denen nur an einem der drei Faschingstage Leben eingehaucht wird, wennzwei Männer unter den mantelartigen Umhang schlüpfen und die auf einer Stangesitzenden Holzköpfe hochhalten. Diese geschnitzten Köpfe bilden das auffallendsteMerkmal der beiden Figuren. Im Gegensatz zum grobschlächtigen Gesicht der weib-lichen Gestalt, die zum Kleid eine schwarze Haube trägt, läßt der wesentlich feinergearbeitete Kopf des„ Bader Jagerls" eine kunstsinnige Hand erkennen. Die Zopf-perücke und der goldverbrämte Dreispitz weisen ihn als einen Herrn von Stand aus,seine große Nase, die zudem noch eine Warze ziert, der aufgezwirbelte Schnurrbartund das bleckende Gebiẞ verleihen ihm allerdings ein äußerst groteskes Aussehen.
Im Rahmen eines Seminars über Umzugsriesen¹ erhielt ich von Prof. R. Wolframden Auftrag, mich besonders mit diesen beiden Gestalten auseinanderzusetzen, vondenen F. Lipp meint, daß sie„ zusammen mit dem Riesen Samson von Tamsweg undKrakaudorf das östlichste Vorkommen dieses typisch westeuropäischen Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsdarstellen".2
Bei der Befragung wurde einhellig die Meinung vertreten, daß napoleonischeSoldaten den„ Bader Jagerl“ am„ Wiesbühel" im Ortsteil„ Grieß“ verloren hätten. Die
1 Beitl, Klaus: Die Umzugsriesen. Volkskundliche Monographie einer europäischen Maskengestalt,
2 Lipp, Franz: Der Raum von Bad Ischl. Zugehörigkeit, Kulturbewegungen, Volkskunde. In: Bad Ischl. EinHeimatbuch, hg.v. Ischler Heimatverein, 1966, S. 272.
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