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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
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BRAUCH, FEST, SYMBOL

Bemerkungen zum Alter des Glöcklerlaufens

Unter den Bräuchen des Landes ob der Enns' vermag das Glöcklerlaufen den Ju-bilar wohl am meisten in seinen Bann zu ziehen. Dafür wird man nicht nur fachlichesInteresse in Rechnung stellen, sondern auch eine starke, bis in die Kindheit zurückrei-chende persönliche Beziehung. Die gleichsam durch die Luft schwebenden und vomdumpfen Dröhnen der Schellen begleiteten transparenten Lichterhauben der Glöcklermögen im Knaben, der das nächtliche Schauspiel vom Balkon des Elternhauses inder Brennerstraße erlebte, jenen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen haben, derden Studiosus bei seiner Suche nach den bewegenden und ordnenden Prinzipien desLebens begleitete und ihn zur Volkskunde führte. Im Glöcklerlaufen findet er den Vä-terglauben" ² verwirklicht, und aus der Musik der Schellen vernimmt er die Botschaft: Das Leben zwingt den Tod..." 3 Nur außergewöhnliche Umstände können Franz C.Lipp deshalb hindern, die Glöcklernacht nicht in seiner Vaterstadt Bad Ischl zu ver-bringen, in deren Heimatbuch er auch die bisher beste wissenschaftliche Einordnungdes Brauches gibt. Ein Beitrag zu diesem Thema möchte daher nur als eine Ergänzungverstanden werden.

Die Beschäftigung mit dem Glöcklerlaufen setzt freilich einen methodologischenExkurs voraus. Es ist nämlich erstaunlich, daß die bisherigen über die bloße Beschrei-bung hinausreichenden wissenschaftlichen Untersuchungen ausschließlich phänome-nologisch- vergleichende Kriterien anwenden. Sie zerlegen das Brauchgeschehen inseine Elemente und versuchen daraus seinen Sinn zu erschließen, d. h., die der einzel-nen Brauchhandlung zugeordnete Bedeutung wird zur Erklärung herangezogen. DieseMethode findet ihre Grundlage in der mythologischen Richtung, die den jeweiligenBrauch als Addition aus einem feststehenden, in sich variablen Repertoire an Hand-lungselementen ansieht. Das immer wiederkehrende Vorkommen gleicher Handlungenbei ganz bestimmten Anlässen legt eine Typisierung nahe. Da man die einzelnen Ele-mente zudem durch alle Zeiten beobachten kann, erblickt man in ihnen jenes archety-pische Prinzip, mit dem man den Urgrund zu erschließen vermeint.

1 Lipp, F.: Art und Brauch im Lande ob der Enns. Salzburg 1952, unpag., X Bildtafeln.

2 Ders.: Weihnachtsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Weihnachtsbrauchtum im Salzkammergut. In: Der Heimatgau, Linz, 1. Jg., 1938/39, S. 12-17.

3 Ders.: Das Salzkammergut. Wesen einer Landschaft. Bad Ischl 1951, S. 15.

4 Ders.: Der Raum von Bad Ischl. Zugehörigkeit, Kulturbewegungen, Volkskunde. In: Bad Ischl. Ein Heimatbuch.Bad Ischl 1966, S. 270. f.

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